Liebe Gemeinde,
der Zufall wollte es, daß ich heute geschäftlich von der Firma aus in meine Heimatstadt Bad Mergentheim musste. Damit ich meine Saftorange damit nicht belasten muß, bekam ich ein Firmenfahrzeug, wurde aber gebeten, es auf der Rückfahrt durch eine Waschstrasse zu ziehen. Meinen Gesichtsausdruck sorgfältig kontrollierend, nahm ich die Schlüssel und zischte ab.
Bad MGH ist mit Waschstrassen nicht wirklich reich gesegnet (wen kratzt's?), ich kenne nur 3. Eine war zu weit von der Route, die andere war defekt und die dritte an der AVIA Tankstelle ... stellte sich als eine Moosgummi-Bürsten Portal-Anlage von WASHTEC heraus, mit SONAX Formel Plus Wachs.
Da klingelte es bei mir, denn ich glaube, der User KAX hatte die des Öfteren im Pflegeforum erwähnt, wenn es um Waschstrassen, deren Schädlichkeit für den Lack und Heisswachs ging. Auch in div. Artikeln in der "Fachpresse" oder in Automobil-Magazinen im TV liest/hört man immer wieder, daß diese Moosgummi-Bürsten sehr sanft seien.
Das SONAX Formel Plus erhebt lt. Hinweisplakat neben der Anlage außerdem den Anspruch, gleich 6mal länger zu halten als übliches 'Heißwachs'. Als 'Waschanlagenverweigerer' muß ich aber wirklich mal in die Runde fragen: Wie lange hält 'übliches Heißwachs', 2, vllt. 3 Tage ?
Bei der Anlage scheint es sich lt. meinen Vergleichen mit Bildern auf der Herstellerseite übrigens um eine WASHTEC SoftCare² zu handeln. Ich fahre täglich an der AVIA vorbei, aber die Waschanlage war mir noch nie aufgefallen, obwohl sie sich mit blauer Innenbeleuchtung und allerlei LED-Geblinke redlich Mühe gibt, Aufmerksamkeit zu erregen.
Wie dem auch sei, für die Mittagszeit habe ich meinen Kollegen Christian dazu überredet, doch seinen Wagen auch mal in diese Anlage zu stellen. Als Testmethode für Ihre Kratzwirkung habe ich kurzerhand ersonnen, einen neuen CD-Rohling mit Panzerband auf die Heckscheibe zu kleben (Siehe Bild 3). Ein Rohling ist neu unversehrt und kratzerfrei, aber ähnlich empfindlich wie Lack. Als Zugabe habe ich mit Edding noch 2 schwarze Quadrate draufgemalt, um zu sehen, ob die Bürsten diese evtl. beschädigen, verkratzen oder entfernen (Siehe Bild 3).
1 Moosgummibürste aus der Nähe 1
2 Moosgummibürste aus der Nähe 2
3 Die angebrachte Test CD
Bevor es losging, habe ich mir noch kurz die 'Haare' der Bürsten angeschaut. Diese waren tatsächlich recht weich und elastisch, mit einer etwas härteren, leicht gummiartigen Oberfläche. 'Moosgummi' trifft es tatsächlich ganz gut, glaube ich (siehe Bild 1 und 2).
Kollege Christian kaufte im Shop derweil Waschprogramm 1 (siehe Bild 4), das volle Programm, während ich mir noch die anderen Plakate anschaute. Die Anlage ist offenbar so sanft, daß sie auch explizit für Cabrios geeignet ist (siehe Bild 5). Und dann hatte Christian auch schon den Startcode eingestanzt und die Wäsche gestartet. Es begann damit, daß der Wagen erst einmal ordentlich eingeschäumt wurde (siehe Bild 6).
4 Volle Kanne: Waschprogramm Nr. 1
5 Anlage wirbt mit Cabrio-Eignung
6 Einschäumen
Der weiter Ablauf der Wäsche, incl. Unterboden (siehe Bild 7) verlief eigentlich recht unspektakulär. Interessant wurde es erst wieder, als das SONAX Formel Plus Wachs aufgesprüht wurde. Dabei schien jedoch mit den oberen Düsen etwas nicht zu stimmen, da kam kaum was bis gar nichts raus. Allerdings vernebelten die seitliche Düsen das Wachs so extrem, daß das Dach trotzdem ein wenig abbekam (siehe Bild 8). Auch für guten Duft hat SONAX gesorgt: Auch noch 2 Meter vor der Waschstrasse roch es angenehm fruchtig nach dem Sprühwachs. Ein wenig überrascht war ich auch, daß vor der Sprühaktion der Wagen in einem kurzem Trocknungsdurchlauf vom stehenden Wasser befreit wurde und nach der Sprühaktion die Bürsten noch in einem Durchgang über die 'gewachste' Fläche fuhren, offenbar, um das Wachs 'einzuarbeiten' (siehe Bild 9). Beides hinterläßt den Eindruck, daß man sich hier alle Mühe gibt, ein (für eine Waschanlage) ordentliches Ergebnis abzuliefern und nicht zugunsten der Abfertigung von mehr Autos pro Zeiteinheit ein "Wischiwaschi" veranstaltet. Auch hatte ich zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, daß die Anlage mit Wasser geizt, ein häufiges Monko bei Portalanlagen.
Nach diesem Gang wurde noch einmal klargespült.
7 Wäsche mit Unterbodenwäsche
8 Sonax Wachs
9 Das Wachs wird sogar eingearbeitet
Danach kam der Trocknungsgang (siehe Bild 10), der mich wirklich enttäuschte. Insbesondere dafür, daß zuvor ein Wachs aufgebrachte wurde, welches eine Trockung stark begünstigen sollte, war der Wagen hinterher noch verdammt nass (Siehe Bild 11 und 12).
10 Trocknen
11 Dürftiges Trocknungsergebnis 1
12 Dürftiges Trocknungsergebnis 2
13 Die Fa. WashTec schaut skeptisch zu Vielleicht hatte das schlechte Trockungsergebnis sowie mein vorheriger Eindruck, daß das Dach nicht so gut mit SprühWachs eingedeckt würde wie die Seiten, auch etwas damit zu, daß ein Fahrzeug der Herstellerfirma WASHTEC gerade die Tankstelle besuchte. Dem Mitarbeiter war deutlich anzumerken, daß ihm nicht geheuer war, was die Typen mit dem Fotoapparat und der CD auf der Heckscheibe da in 'seiner' Anlage trieben. Als er mich mit "das wird doch nix" ansprach, nahm ich zu seinen Gunsten an, er meinte meine Fotos, nicht die Wäsche 
Ich machte einen Versuch der Erklärung, was ich da treibe (Testwäsche für einen Artikel), aber da hatte er nur ein Lächeln und ein Kopfschütteln für übrig - wer will es ihm verübeln ?
Er ging dann zu seinem Wagen zurück und begnügte sich damit, gelegentlich mißtrauisch 'rüberzugucken, während er darauf wartete, daß wir fertig wurden.
14 Test CD hinterher 1
15 Test CD hinterher 2
16 Test CD hinterher 3
Als das Programm dann beendet war, nahmen wir vorsichtig die CD wieder von der Scheibe und fuhren in die Firma zurück, wo ich den Rest der Mittagspause darauf verwendete, die CD unter einem Scheinwerfer zu begutachten und einigermaßen aussagekräftige Fotos davon zu machen (Bild 13 - 16, aufzoomen um die Kratzer zu erkennen (siehe Pfeile)). Hierbei wurde ich wiederum positiv überrascht: Die CD war noch in verdammt gutem Zustand, sie wies nur minimale Katzerchen auf. Die Bereiche, auf die ich Edding aufgetragen hatte, waren völlig unversehrt. Das hatte ich mir viel schlimmer vorgestellt. 10 Wäschen dieser Art würden demnach zwar einen lockeren 'Teppich' feiner Kratzcherchen hinterlassen, der aber weder sonderlich dicht wäre, noch kann man die Kratzer als mehr als 'oberflächlich' bezeichnen.
Es scheint also was dran zu sein am Mantra der Waschanlagenbetreiber und -hersteller, daß moderne, gut gewartete Anlagen nicht mehr die 'Kratzmaschinen' aus 'Nylonbürsten-Zeiten' sind.
Trotzdem wird meine Saftorange nie wieder eine Waschanlage von innen sehen, dafür bin ich viel zu sehr auf nahezu absolute Kratzerfreiheit fixiert und dafür macht mir die Handwäsche und -pflege zu viel Spaß.