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Der Schlag eines Schmetterlings in Südamerika kann einen Wirbelsturm in den USA entfachen. Kleine Ursache, extrem große Wirkung. Wie auch dieser Tage.
Leute rennen hektisch von links nach rechts, ein Auto fährt an und überrollt fast den Großvater der auf dem Weg zurück zu seinem Fahrzeug ist. Auf der vorbeiführenden Straße gibt es fast einen Unfall weil einer der passiernden Fahrzeuge nicht sieht das der Rückstau auf das Tankstellengelände mittlerweile so groß ist das der erst mit seinem Heck auf der Straße steht.
Fahrzeuge aller Art, vom alten Kleinwagen über den neuen Kompakten bis zum betagten Benz T-Modell von Anfang der 90er stapeln sich richtung Tankstelle. Leute starren mit bangem Blick auf die Zapfsäule und sind froh wenn sie wieder wegkommen. Für ein paar Liter Sprit fährt man sich fast über den Haufen.
Nein, dass ist nicht Lybien 2011, dass ist Deutschland 2011. Und es war auch nicht der Flügelschlag eines Schmetterlings, sondern nur 5% Ethanol die für ein allumfassendes Chaos gerreicht haben. Von ganz unten bis ganz oben herscht nur Chaos.
Die Autofahrer sind verwirrt und das zu recht. Von "es passiert überhaupt nichts" bis hin zu "totaller Motorschaden" sind alle Meinungen gut argumentiert nachzulesen. Autohersteller meinen die meisten Modelle können E10 tanken, sagen aber gleich noch dazu das sie im Fall eines Schadens dafür nicht aufkommen werden. Frei nach dem Motto "du darfst, denke ich, aber verlass dich nicht auf mich". Sollte also wirklich was passieren hat der Autofahrer die A-Karte.
Wie auch soll man jetzt genau wissen wie welches Autoteil in welchem Autmodell bei welchem Grad des Alterungsprozesses reagiert, im Endeffekt ist es nur Chemie und die hier anwesenden Chemiker wissen sicher das chemische Reaktionen und ihr Endergebniss von der Art der aufeinander treffenden Stoffe und ihrer Umgebung abhängen. Was da Schaden anrichtet kann hier absolut problemlos sein. 5% mehr können zu einer Reaktion führen die vorher noch nicht eingetretten wäre. Chemie ist Chemie.
Und im Gegensatz zu Ländern wie Brasilien wo Fahrzeuge seit Jahren auf E10 ausgelegt sind, ist das hier erst seit einiger Zeit ein Thema. Aber auch hier ist wieder von "unsre Autos sind im Prinzip seit Jahren auf E10 ausgelegt" bis "Weltuntergang", alles sauber argumentiert nachzulesen. Wem soll man jetzt glauben als unbedarfter Laie?!
Die Mineralölkonzerne und ihre Tankstellen laufen mittlerweile auch im Kreis wie der wilde Truthahn. Aufgrund des obrigen Chaos verlassen sich viele Autofahrer auf Super +. Dafür sind die Kapazitäten aber begrenzt weil es bisher kaum gekauft wurde, in einigen Regionen soll das Super + bereits ausverkauft sein.
Im Zusammenspiel damit und dem ohnehin steigenden Ölpreis ( angeblich durch das Chaos im nahen Osten ) bieten in heutigen Tagen einige Tankstellen das Bild wie man es nur aus Katastrophenfilmen kennt. Lange Schlangen um halbwegs günstig an den letzten Rest Super + ranzukommen bevors alle ist.
Ein Mineralölkonzern beschrieb heut morgen die Lage so, ich zitier mal grob aus dem Kopf: "Wir haben alles auf die Straße gebracht was wir aufbieten konnten um die Versorgung zu sichern".
Nebenbei schleppt sich die Umrüstung der Zapfsäulen auf E10 dahin, in einigen Gegenden gibt es bereits einen hohen Umrüstungsgrad, in andren noch nicht, andre dümpeln irgendwo dazwischen.
Und was passiert von Regierungsseiten aus?! Bisher betrettenes Schweigen. Soweit ich das lesen konnte gibt es eine Quote wonach ein bestimmter Anteil "Biosprit" abgesetzt werden muss. Wie nun aber zu lesen klappt das vorne und hinten nicht. Da jetzt das Damoklesschwert im Raum hängt das E5 solange verteuert wird bis die Leute gezwungen sind E10 zu kaufen heizt das Chaos noch mehr an, man tankt solange und soviel wie man irgendwie noch in den Karren reinzwängen kann bevor die Suppe noch teurer wird.
Die einzigen die dieser Tage halbwegs grinsend, aber auch mehr mit einem "nochmal davon gekommen" Gesichtsausdruck dastehen sind Fahrer von CNG und LPG. Bei uns ändert sich nichts und wer wie ich seinen Benzintank vor dem großen Chaos nochmal randvoll gemacht hat kommt jetzt erstmal eine ganze Weile hin. Und das bisschen Super + was man im Jahr braucht kann man auch noch bezahlen.
Nebenbei kommen jetzt auch wieder diverse grüne Frösche aus ihrem Tümpel gekrochen und meinen doch man sollte auf Bus und Bahn umsteigen wenn Autofahren so teuer sei. Ein Spruch bei dem man als Bewohner des ländlichen Raums wiedermal nicht weiß ob man lachen, weinen oder schrein soll.
Ach und bevor ichs vergesse, natürlich ist da noch die Prügelei ob der Biosprit jetzt Bio ist oder nicht noch sogar der Umwelt schadet.
Kurzum: Das Jahr 2011 ist noch garnichtmal so alt und automobiltechnisch schon im totallen Chaos versunken. Und das binnen eines Monats. Dafür brauch man auch erstmal irgendwie Talent.