MOTORTESTS.de - Test und Erfahrungsberichte aus der MOTOR-TALK Community

Dr Seltsam

Geschlossen-Wir danken für ihre Treue

31.12.2011 09:55    |    Dr Seltsam Dr Seltsam    |    Kommentare (125)    |   Stichworte: , ,

Es sifft mal wieder. Typisch Rheinland. Und das schon seit Tagen. Ich befinde mich auf der A-3 zwischen Siebengebirge und Lohmar Nord. Der Regen peitscht quasi von allen Seiten, man ist mehr unter Wasser als auf Land.

 

Der Fiesta hält tapfer seine 120 ohne Probleme was auch das Gesündeste ist auf dieser Straße bei diesem Wetter. Die meisten schleichen mit 80 rechts, die Wischer haben gut zutun, aber der Wagen liegt stabil und schwimmt nicht. Aufeinmal schiessen von hinten zwei Lichter herran und machen keine Anstalten langsamer zu werden. Der Fiesta befindet sich gerade auf Höhe eines nicht enden wollenden Sattelzugs.

 

Ich geb vorsichtig Stoff, eigentlich sind die 120 schon eine Idee zu viel. Endlich, dass Führerhaus. Blinker rechts, die Lichter sind jetzt am Heck des Lasters angekommen, mein Cockpit ist hell erleuchtet. Ich hab den Wagen grad zu dreivierteln vor dem Laster als der silberne MK-4 Mondeo schon mit ca. 140 Sachen an mir vorbei durch den Regen jagt. Mir einer sanft-schnellen Bewegungen reiß ich den Wagen nach ganz rechts, dass war knapp.

 

Kurz darauf das selbe Spiel, immer noch ein Sauwetter, mittlerweile schlimmer und ich hab mich auf 100 runtergebremst. Die Wischer arbeiten auch Hochtouren als quasi ohne Vorwarnung ein Kleintransporter direkt vor meine Nase zieht. Knappe 10 M Abstand, sanft aber deutlich das Bremspedal durchtretten, rechts checken, alles frei, den Vogel nach drüben ziehend.

Etwas zuviel, etwas zuwenig und ich mach den Abflug. Zum Glück weiß ich mittlerweile was der Fiesta bei welchem Wetter macht und die Winterreifen sind quasi brandneu. Mensch und Maschine bilden eine Einheit, anders überlebt man dieses Wetter in diesem Auto wohl auch nicht.

 

Scheisseknapp denk ich mir trotzdem und bin froh als ich endlich von der Autobahn runterkomme. Ich meine, man kennt es. Ob Regen oder Sonne, niemand nimmt Rücksicht. Man fährt bis in den Kofferraum rein oder direkt vor die Nase. Nur mit einer gewissen Agressivität kann man sich überhaupt mal einen Platz auf der Überholspur erkämpfen. Und da stellt sich mir die Frage.

 

Ist es in heutigen Zeiten eher die Fortsetzung der Tradition der 300 letzten Spartaner. Also nach dem Motto, die letzten 300 untermotorisierten Kleinwagen stehen tapfer gegen den Rest der PS-Überfrachteten Rundum-Sicherheitsschleudern?!

Oder ist das mehr einfach totalle Blödheit und Beschränktheit sich mit so einer Kiste noch auf die Autobahn zu wagen?! Noch dazu mit so einer minimalen Sicherheitsausstattung wo wir in Zeiten der SUV leben und wo mal eben ein 2,5 T Dickschiff mit 180 Tacken von hinten angeflogen kommen kann?!

 

Wär es nicht schlauer den Fiesta gegen etwas sichreres, mit mehr PS einzutauschen?! Jeder billige Panda von heute zieht schneller vom Hof und bietet mehr Sicherheit. Oder übetreibt man da, ist die Lage garnicht so schlimm?! Wobei, man ist ja besonders am Berg und in dichtem Verkehrsgewühl oft am knappsen nicht aufgeraucht zu werden. Entweder, oder, vielleicht oder doch ganz andersrum.

 

Der Fahrer des obrigen Fiestas übrigens konnte sich selber aus dem Wrack befreien, er hat den selbstverschuldeten Unfall relativ gut überstanden. Aber trotzdem die Frage, in heutigen Zeiten einen alten Kleinwagen mit 60 oder weniger PS als Alltagsfahrzeug. Mutig oder dumm!?


28.12.2011 15:27    |    Dr Seltsam Dr Seltsam    |    Kommentare (23)

Es gibt da so einen Effekt. Der tritt auf fast jeder Automesse auf wo ich bin und wo ich stehe, meistens um so größer die Messe ist, um so größer ist auch dieser Effekt. Man kauft also seine Eintrittskarte, betritt die Messe, läuft erstmal in die Toiletten und wundert sich warum man in der Sanitärausstellung gelandet ist wos doch um alte Autos gehen sollte.

 

Hat man sich dann aus dem Sanitärberreich zurück in den Automobilberreich zurückgefunden wo die Alten Schätzchen stehen fällt einem bald auf. Die Zeiten früher müssen wirklich geil gewesen sein, es stimmt so vonwegen "gute alte Zeiten". Hier ein Stern, dort ein Stern, dadrüben ein Stern. Dorthinten stehen dichtgedrängt die 9-11er wie auf Halde, würden wohl sonst alle garnicht in die Halle passen.

 

Anfangs freut man sich. Dort ein 300 SL, dort ein W-123 oder W-126. Eine Pagode, ein alter SL, sehr hübsche Fahrzeuge. Ein Porsche. Eine Pagode. Oh, eine Heckflosse. Eine Pagode. Ein SL. Ein W124. Eine alte S-Klasse. Eine, aeh, jah, Pagode. Schön. Und ein Porsche. Tatsache BMW.

 

Die Schritte beschleunigen sich, man fliegt fast vorbei an scheinbar endlosen Reihen mit BMW, Mercedes und Porsche. Nichts gegen diese Autos, alle sehr schön, aber, schonwieder Pagode!!!

 

Kleine Verschaufpause, etwas Essen. Doch was ist das?! Pagode?! Nein! Ein Gang. Ein kleiner, gemeiner Gang zu einem kleinen, weniger frequentierten Messeberreich. Mein Hot Dog mümmelnd schleiche ich hindurch und, scheisse es gab wohl doch ein paar arme Leute in den 80ern. Dahinten in der Ecke kuschelt sich ein liebevoll gemachter Pandastand in die Ecke. Kleine Plüschpandas tollen um die zierliche Blechdose, es sieht aus wie auf einem Familienfest. Oder Omas Vorgarten.

 

Auf der andren Seite steht der Passat, der auch in meiner Familie dienst tat. Ok, wir hatten nicht den Polizeipassat. Aber trotzdem. Hinten ein Fiesta MK-1, ein alter Ascona. Oder auf der Messe Bremen. Letztes Jahr bin ich von "hinten" reingegangen, also nicht durch den Haupteingang und landete so direkt im schönsten Teil der Messe.

 

Alte Audis, DKWs, Laster und Fiat 500 in allen Ausführungen. Altagsfahrzeuge, präsentiert von Privat, teilweise mit liebenswerter Deko im passenden Zeitgeschmack. Eine Tankstellenszene, eine schwedische Blockhütte im Kleinformat neben einem Volvo.

Ich gerate ins Schwärmen, pass nicht auf und lauf in die nächste Halle.

 

Wieder Pagode an Pagode und Mustang an Mustang. Ach scheisse. Turn arround!

 

Oder direkt zu ganz kleinen, lokalen Festivitäten wie der Oldtimermesse in Hennef dieses Jahr. Ein kleiner Parkplatz, vielleicht 50 Autos wenns hochkommt. Aber. So schön. Eine Ansammlung alter Pappen, ein alter Kadett, dort ein Ascona und dahinten sogar ein Borgward Isabella. So schön bunt können Automessen sein.

 

Man muss nur wissen wo man hingeht. Am besten weit weg von den großen Namen und großen Hallen. Nach hinten zu den kleinen abgelegnen Räumen. Dort wo man die echte automobile Vergangenheit findet :)

 

http://www.youtube.com/watch?...


27.12.2011 08:17    |    Dr Seltsam Dr Seltsam    |    Kommentare (33)

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Manchmal. Manchmal tu ich es. Und fahr mit der Straßenbahn in die Stadt. Es bereitet keine Freude, aber man kann wenigstens nach links und rechts gucken ohne Passanten aufzuladen. Und wenns doch passiert wars wenigstens nicht die eigne Schuld :D ;)

 

Ich guck also so aus dem Fenster und genieße das Geruckel, als ich da plötzlich etwas erspähe. Kantige Form, bunte Blinker und klare Linien, dass kann doch nur ein Youngtimer sein. Eh ich noch What the Fuck denken kann steht die Bahn auch schon schönerweise genau mit meinem Fenster vor dem Objekt der Aufmerksamkeit.

 

Was dort so vergessen am Straßenrand steht entpuppt sich als Opel Ascona Warte mal. Opel Ascona. Was macht ein Ascona den man seit EWIGKEITEN nicht mehr gesehen hat auf einer Haupteinfallsachse in Köln, ungeschützt vor Regen, Wind, Wetter und andren Verkehrsteilnehmern?! Das Ding is selten, dass gibts doch fast nicht mehr.

 

Leider seh ich nicht mehr, die Bahn wird sich gleich wieder in Bewegung setzen. Ich mach ein Bild von dem Wagen. Scheinbar hat niemand außer mir bemerkt was für ein mittlerweile ziemlich exotisches Auto da steht. Aufstehen und "ASCONA, ASCONA, ein ECHTER ASCONA!!!" schreind durch die Bahn laufen?! Besser nicht ;)

 

Aber trotzdem. Ein halbwegs gepflegter Ascona einfach so am Wegesrand. Wer hätte das erwartet. Die Bahn setzt sich in Bewegung. Der Opel wird kleiner, ich verdreh nochmal den Kopf. Dann ist er verschwunden. Später auf der Rückfahrt hat ein Polo seinen Parkplatz besetzt. Schade.

 

Den es ist doch immer wieder schön so einen Klassiker mal eben am Wegesrand aufzupicken. Grad wenn sie so selten sind.


26.12.2011 16:14    |    Dr Seltsam Dr Seltsam    |    Kommentare (37)

Hinlänglich bekannt ist ja, dass ist nun ein großer Freund des MK-4 Fiesta bin. Lassen wir mal das offensichtlich bei Seite und kommen wir zu dem Punkt das man mir neulich versucht hat zu veräppeln.

 

Es geht hierbei um obriges Modellauto und irgendwie, kommt bitte, dass sieht doch jeder 3. Klässler das dieses Automodell für satte 32 Ocken totaller Unfug ist :D

 

Fangen wir doch mal alleine an in dem wir die Türen zählen. Da kommen wir auf 3, auch wenn ich mich bis heute frag wer alles durch die Heckklappe einsteigt. Gucken wir dann auf die Radkappen, sehen wir, dass es sich um die sogenannten Ghia-Radkappen handelt. Wie der Name sagt, die gibt beim GHIAmodell.

 

Da aber von Australien bis Zürich jeder weiß das beim Fiestaghia die Stoßfänger serienmäßig in Wagenfarbe lackiert waren, dito die Außenspiegel passen hier Kappen und Karre eindeutig nicht zusammen.

 

Und sowieso. Unlackierte Spiegel und Stoßfänger waren eigentlich ein Markenzeichen der Grundausstattung. In der Grundausstattung hat aber eigentlich nie jemand dieses Panoramahubdach mitgeordert was oben als Glasrechteck im Dach hervorguckt. Und auch die Seitenzierleisten gehörten da nicht dazu. Und schon garnicht in Wagenfarbe lackiert ihr Anfänger!

 

Ein vernünftiger Basisfiesta war meistens rot oder blau, hatte kein Panoramahubdach ( wobei zwei hab ich schon gesehen ) und hatte unlackierte Spiegel und Stoßfänger. Maximall wenn überhaupt unlackierte Seitenleisten. Zumal wie ich grad seh die Inneneinrichtung richtung Style tendiert. Geht mal garnicht.

 

Also mal ehrlich. Was soll der Blödsinn? Und dann auch noch für 32 €. Lasst euch doch bitte was bessres einfallen :D Zum Glück gibts aber noch gute und günstige Fiestamodelle wenn man lange genug sucht, wie man auf dem zweiten Foto sieht :)

 

......du merkst das du zuviel Zeit mit deinem Automodell verbringst, wenn du dich über Modellautos aufregst :D ;)


25.12.2011 12:47    |    Dr Seltsam Dr Seltsam    |    Kommentare (40)

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Weihnachten, dass Fest der Liebe. Zeit für seine Mitmenschen, Zeit für Mitleid und Warmherzigkeit, Zeit für die geschundenste Marke die derzeit noch verkauft: Opel

 

Ich fahre ja beruflich Opel und naja. Nicht schlecht, aber auch nicht umbedingt gut. Die Kiste fährt halt, auch wenn sie teilweise recht merkwürdige Defekte hat. Neulich ging das Innenlicht einfach nicht aus. Rechts ran, alles abgeschlossen, wieder rein, geht wieder. Hae?! Na egal. Opel eben. Wie der alte Großvater, schrullig und deswegen irgendwie liebenswert :D :)

Auch das viele Funkschlüssel nach gradmal 120.000 KM schon kaputt sind ( Gummi durchgerieben, Knopf abgebrochen, Hallo Platine ), naja. Kann man auch fixen.

 

Nun und dann vor einiger Zeit dies. Der große Test einer bekannten Autozeitung. Ford vs Opel und Ford macht alles platt. Alles?! Das wollt ich wissen und hab mal etwas reingelesen. Besonders natürlich war ich an dem Test mit dem Fiesta vs Corsa intressiert. Ich las, las und verstand die Welt nicht mehr.

 

Der Test nimmt schonmal zu Anfang vorweg, dass der Opel nach Zahlen besser ist, der Fiesta aber gefühlt besser ist. HEY, ich hab ne 5 in Mathe, gefühlt ist das aber mindestens ne 3, mit nem Auge zudrücken ne 2. Ok, lassen wir die schlechten Vergleiche und lachen lieber über den realen Text. Oder sollte ich sagen, rätseln wir über den realen Text.

 

Da heißt es z.B. " ( der Fiesta ist nicht nur besser als der Corsa ) wegen der etwas legeren Ausstattung, schlichteren Materialien und wirrer Bedienung, sondern vorallem wegen dem gelenkigen Handling. HAE!? Ist da irgendwie nicht, der Sinn verdreht?! :D

 

Und dann noch diese Passage: "Eine Rolltreppe bringt mehr Fahrspass als ein Opel". Kommt Leute, dass ist doch wirklich nicht mehr objektiv. Du liegst falsch weil deine Mutter nach Backfisch riecht oder sowas in der Art. Sowas ist doch wirklich nicht nett. Was kann den der arme Corsa dafür das sein Familienname Opel ist denk ich mir da.

 

Und dann noch der Satz der uns MK-4 Fahrern bekannt vorkommt "der Motor tönt lauter, aber unaufdringlicher". Hm, tönt der mehr so schmeichelnd von unten rauf, haben wir da eine Neuauflage des berühmten Endurarasselns oder was ist da los?! Irgendwie kann ich mir einen rasselnden MK-7 nicht vorstellen.

 

Nunja, der ganze Text wirkt irgendwie verquer und so nach dem Motto, "Opel is doof und das muss jetzt so sein". Ich finde, sowas hat kein Auto verdient und erst recht nicht die gequälten Opel die sich so mühsam geschäftstechnisch am Leben erhalten. Einen Wagen im Test einfach nur über die Gefühlsschiene gewinnen zu lassen ist nun nicht gerade die feine englische Art.

 

Seien wir doch einfach mal ein bisschen nett zu Opel. SO schlimm sind sie nun auch wieder nicht ;) :)


24.12.2011 10:55    |    Dr Seltsam Dr Seltsam    |    Kommentare (16)

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Hiermit möchte ich allen meinen Stammlesern, Freunden, Verwandten, Bekannten, Feinden, Schuldnern und Gläubigern, dem Typen hinter der Kasse an meiner Stammtankstelle, Homer Simpson und Mr Burns, vorallem meinem geliebten Auto und all den andren Altwagen sowie den Agenten vom Geheimdienst die mich abhören frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2012 wünsche :D :)

 

Ich hoffe ich konnt euch alle auch dieses Jahr einigermaßen unterhalten, informieren und positiv mit meinem Blog nerven. Ich verspreche auch hiermit diese Tradition verschlimmbessert im nächsten Jahr mit noch mehr Rächtschreibfählern vorzuführen damit sich die "Grammar Nazis" auch weiterhin aufregen dürfen :D

 

Ansonsten wünsch ich euch viele Geschenk, Knallerei nur an Silvester und das keiner in den Baum stürzt.Ich wünsch euch allzeit unfallfreie Fahrt, immer ne Handbreit Sprit im Tank und das ihr Blitzer seht bevor sie euch sehen. Auf noch mehr altes Blech im nächsten Jahr und noch mehr Blogs ums Blech, besonders das Alte.

 

Was bleibt noch zu sagen?!

 

Ach ja. TANKSTELLENTYP!!!! Nach 6 JAHREN jede WOCHE an deiner Tanke WEIß ich jetzt das der Streifen hinten links kommt. Gottvernommedommt :D


20.12.2011 08:43    |    Dr Seltsam Dr Seltsam    |    Kommentare (7)

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Mittlerweile liegt draußen tatsächlich sowas wie Schnee, auch wenns sich grad wieder zurück in flüssigen Zustand verwandelt. Zeit mal nachzuschauen was Lost Places so im Winter treiben.

 

Wobei, allgemein ist der Winter ja nicht gerade die Zeit zum Urbexen. Die alten Gemäuer sind schon im Sommer nicht ganz ungefährlich, im Winter kommt dann noch die Tatsache dazu das viele Trittfallen wie alte Nägel oder offne Kanaldeckel unter Schnee begraben sind. Glatteis machts auch nicht besser und im Herbststurm einen Dachziegel auf den Kopf zu bekommen ist mehr als wahrscheinlich.

 

Also, lassen wir die Lost Places im Winter in Ruhe. Lassen wir sie in Ruhe liegen und sich selber überlassen. Nur. Wer weiß ob sie im Frühjahr dann noch so da sind wie wir sie im Herbst verlassen haben. Den der Winter, so schön er auch ist, ist eigentlich Todfeind aller LPs und Abrisskommando Nr.1 .

 

Das ganze geht aber nicht erst im Winter los. Schon wesentlich früher. Mit den Herbststürmen. Starke Winde entsorgen Dachziegel, reißen alte Plakate ab und schmeißen Bäume um. Die sich dann auch gerne mal auf alten Gemäuern niederlassen. Zudem treibt die zunehmende Kälte allerlei Getier in die etwas schützenderen Bauten und deren Kot schleppt Pflanzensamen ein und zerfrisst das Gemäuer.

 

Außerdem landen durch die Herbststürme große Mengen an Laub, Dreck und Pflanzenteile auf den Gebäuden. In Dachrinnen, auf Balkonen und innerhalb des Gebäudes. Zusammen mit den Pflanzensamen der Viecher idealer Nährboden für kleine Pflanzen zum keimen. Diese Strecken dann ihre zarten Wurzeln in die eingeschleppte Humusschicht und fangen an im Gebäude zu wurzeln. Und irgendwann brechen sie dann auch mit ihrem Wurzeln den Beton auf und fangen an der Struktur des Hauses zu nagen.

 

Noch dazu kommt dann der Winter. Die Stürme haben sich gelegt, aber jetzt wirds kalt. Nasser, schwerer Schnee verteilt sich jetzt überall. Auf morsche Balken, auf instabile Decken, auf brüchigen Beton. Und bringt diesen mit seinem Gewicht zum einstürzen.

 

Bricht das Material nicht sofort, so schmilzt der Schnee manchmal wieder und so fließt das Schmelzwasser in jede kleine Ritze in Holz und Beton. Gefriert es dort wieder weitet es den Riss aus bis das entsprechende Teil endgültig bricht. Um so öffter dieser Frost-Tau Zyklus passiert, um so schneller werden die Materialien "weichgeklopft", um so schneller bricht der Lost Places zusammen.

 

Teilweise wird dadurch auch Kit aus dem Fenster gesprengt und die Fensterscheiben fallen um und aus dem Rahmen. Im wahrsten Sinn des Wortes. Und öffnen damit neue Eingangstore für mehr Tiere, Pflanzensamen und Pflanzenmaterial. Ich bin vorallem bei einem Möbelhaus das leersteht hier in der Region gespannt mit seinen großen Fensterflächen wann dort die erste Riesenglasscheibe fällt und einen legalen Eingang verschafft.

 

Kommt dann das Frühjahr, so haben selbst Lost Places die bisher durchgehalten haben ein Problem. Das Tauwasser fließt ab vom Dach und wäscht dabei an bestimmten Stellen entlang. Somit wird dort die Wand aufgeweicht und Metall zum rosten gebracht. Außerdem sorgt die eindringende Feuchtigkeit für Schimmel der wiederrum den Bau instabil macht.

 

Und deswegen ist es jedes Frühjahr erneut ein intressantes Ratespiel welcher LP den Winter wie überstanden hat. Was aber das schöne ist, überlebt der LP das alles einigermaßen haben wir Urbexer im nächsten Jahr den LP neu designed mit neuem, wunderschönen Verfall. Was dann für uns wieder der Vorwand ist mit der Kamera loszuziehen und ihn erneut zu dokumentieren.


17.12.2011 19:30    |    Dr Seltsam Dr Seltsam    |    Kommentare (29)

tuerpappetuerpappe

Es nieselt. Nein, nieseln ist nicht das richtige Wort, es schüttet bereits ordentlich. Ich schau zu dem Schild auf. Soviele Schrottplätze, Berlin, Dresden, Hamburg und hier soll es nun sein?! Ein kleiner Platz im Kölner Süden, kleiner als ein halbes Fussballfeld und bisher übersehen soll nun eine fast 2 jährige Suche abschliessen. Und alles nur wegen einer Türpappe wie man hier lesen kann :

 

http://www.motor-talk.de/.../sound-suche-t3377218.html?...

 

Was sein muss muss sein. Ich öffne die Türe und steige hinaus in den Regen. Fluche leise weil es so verdammt nass ist. Musste das jetzt sein, grad war noch so schönes Wetter. Egal, ich betrette den Platz.

 

Der erste Eindruck, alles sieht recht leblos aus, Türen stapelten sich an Türen, keiner da. Aufgeben is nich denk ich mir und lauf weiter. Eine dunkle Halle, ein ältrer Mensch. Der Regen wird stärker. Ich versuch den Mann über den Lärm des auf das Wellblechdach trommelnden Regens verständlich zu machen was ich will, doch er versteht scheinbar kein Wort und spricht auch noch sehr leise.

 

Da ich aber denke das ich nicht soweit rausgefahren bin um jetzt abzubrechen, behelfe ich mir mit dem ganzen Aufgebot an Gesten und Mimik was ich hab, wiederhole immer wieder abwechselnd "MK-4 Fiesta" und "ab 1996". Reiße sogar noch die Tür eines nahestehenden Mazdas auf um klar zu machen was ich suche und streiche deutlich über die Türpappe. Der Türke scheint langsam zu verstehen was ich will, auch wenn er nicht sehr glücklich aussieht. Verständlich.

 

Den mittlerweile ist der Regen stärker geworden, im Auto würd jetzt grad so noch die vorletzte Wischerstufe ausreichen.

Aber trotzdem. Irgendwas, irgendwas ist hier anders. Mein Puls steigert sich. Ich folge dem Mann während der Wind zunimmt, ein Regenschirm würde jetzt sicher fliegen gehen. Wir haben es mittlerweile mit einem kleinen Sturm zutun. Vor uns beiden ist eine tiefe, breite, Pfütze in der Öllacken umherwabern und kleine Ölregenbögen schimmern.

 

Ich lass den Meister vorgehen, ich hab schliesslich keine Ahnung worauf das hier hinausläuft. Nach einem Meter zieht er eine Fiestatür mit abgebrochnem Spiegel vor und zeigt mir die Türe von innen. Mittlerweile muss ich gegen den Wind anbrüllen und sehe aber voller erstaunen das DAS tatsächlich die richtige Türpappe ist. Aber die Fahrertür. Gegen den Wind schrei ich fast "ANDRE SEITE, BEIFAHRER!!!". Der Mann sagt irgendwas wie "wollte nur zeigen", zieht eine zweite Tür hervor und Tatsache.

 

Beifahrer. Elektrische Fensterheber. MEINE Farbe. KEINE Beschädigungen.

 

Mein Herz setzt einen Moment aus weil ich es nicht glauben kann, scheiss auf die Pfütze und mitten durch. Ich bestaune das hervorgezauberte Objekt und frage nach dem Preis. Der Schrauber murmelt irgendwas von 15 € und meint er will das jetzt aber nicht ausbau "warten sie ich hol mein Bordwerkzeug!!!!".

 

Schnell bin ich um die Ecke, Kofferraum aufgerissen, Werkzeugnotkoffer den ich immer dabei hab rausgerissen und wieder zurück. Der Mann hält die Türe, meint er müsste für den Preis nochmal zum Chef gehen. Mir egal. Mir ist jetzt alles egal. Rechtes Knie vorran knie ich mich in die Öl-Wasserssuppe von Pfütze. Der Wind peitscht mich mit Wasser zu, meine Jacke ist quasi durch und es trieft leicht an den Seiten herrunter. Die Sicht durch die Brille ist quasi null, dicke Tropfen versperren die Sicht.

 

Da zudem der Kollege stiften gegangen ist, ist keiner mehr da, der die Tür stützen kann. Egal. Kopfarbeit ist angesagt. Ich stütze die Tür gegen meinen Kopf, knall den Schraubenzieherkoffer ins Wasser. Montiere den Schraubenzieher wie ein Scharfschütze seine Waffe zusammen und fange an loszulegen. Eine Schraube raus, zweite Schraube raus. Schraubenzieher ablegen, Taschenmesser raus, Messer ausklappen, Verkleidung abhebeln. Dann den Pin vom Fensterheber runterdrücken, Kabel rausziehen und den Fensterheber mit einem Handkantenschlag aus der Pappe hebeln.

 

Dann mit den Fingern oben am Rand entlang. Ich spüre nichts mehr in den Fingerkuppen, egal. Vorrsichtig wird die Pappe oben abgehebelt, immer weiter, weiter. Die letzte Schraube fällt in die Pfütze, egal, ich hab noch drei davon Zuhause. Endlich ist die Pappe ab. Mit der Beute in der Hand geh ich in die Werkstatthalle, ich bin fast versucht einfach irgend einen Schein zu geben, find dann aber die passenden 15 €.

 

Zurück zum Auto. Ausrüstung in den Kofferraum, Pappe in den Kofferraum. Meine Jacke ist klitschnass, meine Haare triefen vor Wasser, die Finger schmerzen dermaßen das ich erst denk ich hab mich geschnitten. Ich seh absolut 0 durch meine Brille und vor lauter Schleppwasser laufen sofort die Fenster an. Aber ich hab sie. Die seit 2 Jahren gesuchte Türpappe.

 

Zuhause, es regnet wenigstens nicht mehr. Einbauen, routinierte Handgriffe. Mittlerweile ist es dunkel, aber wozu gibt es Taschenlampen?! Und dann.

 

Der entscheidende Moment. Alles sitzt soweit, alle Schrauben und Clips sind vor Ort. Ich mach die Tür zu. Auf. Zu.

Auf. Zu.

Auf. Zu.

Schrei vor Glück. Sogar die Oberkante liegt richtig und plan zum Fenster auf und steht nicht ab.

 

Alles passt, nichts hängt irgendwo fest. Mission erfüllt, was für ein exzellenter Tag. Jetzt erstmal rein und Haare trocken kriegen. Ich bin immer noch quietschnass. Aber trotzdem, wegen solcher adrenalinlastigen Erlebnisse kann ich einfach nur immer wieder sagen:

 

Ich liebe das Autofahrerleben :)


14.12.2011 08:15    |    Dr Seltsam Dr Seltsam    |    Kommentare (37)

So, nachdem wir nun das Vorspiel hinter uns haben, wie sieht das Leben als Kurier- und Postkutscher aus?! Was passiert auf der andren Seite des Packets?!

 

Was ihr von uns seht, ist meistens nur das wir vorfahren, aussteigen, abliefern, einsteigen, abfahren. Soweit so gut. Meistens ist das auch eher der Job von den Jungs und Mädels von DHL, DPD und UPS. Wir Kuriere sind eigentlich mehr für Wirtschaft und Industrie zuständig, da wir auch ein gutes Stück teurer sind und nicht jeder bereit ist soviel Geld auszugeben.

 

Der berühmteste Zusteller ist übrigens Kurierfahrer. Gemeint ist hiermit der BMW-Fahrer der in 7 Jahren 1 Million Kilometer auf die Uhr gelegt hat und mittlerweile schon fast eine Forumslegende ist die fast jeder kennt. Solche Europakuriere die aber für ein Paket von Berlin nach Brüssel fahren sind eher selten, weil schweineteuer.

 

Wie sieht aber das Leben als Wald und Wiesenkurier aus?! Nunja, zum ersten holen wir unser Zeug statt an einem Sammelhub(lager) zumeist bei einem Stammkunden ab, also direkt von der Haustür des Auftraggebers. Die Anfahrten kennen wir aus dem FF und sind meistens auch angenehm weils oft große Lieferbuchten gibt. Auch wenn ich sagen muss, man erkennt eine modern gebaute Lieferzone sofort daran, dass sie teilweise ziemlich grausam geplant ist.

 

Da liegen dann z.B 30 CM hohe Findlinge als Randbegrenzung rum die unter jeder Sichtlinie verschwinden oder die Ausfahrt geht mitten über einen belebten Gehweg. Rghs. Klasse beim rangieren ;)

 

Trotzdem ist so eine Lieferzone immer noch eine Wonne gegenüber der Anlieferung in Innenstädten. Mir tun da immer die Kollegen von DHL und Co leid, die regelmäßig in Innenstädte liefern müssen ( wir Kuriere sind ja eher bei Wirtschaftsbetrieben zu finden mit besagten Ladezonen). Oftmals gibts in Innenstädten wie Köln keine oder nur viel zu kleine Ladezonen die dann noch zugeparkt sind.

 

Selbst wenn die Lücke PKW groß ist stellt man sich da ungern rein, bevor man sich rückwärts mit einem Kastenwagen in so eine Lücke reingezirkelt hat, hat man meistens schon längst ausgeliefert. Kollegen mit Kleintransportern passen da schon garnicht rein, die müssen Zwangsläufig auf der Straße parken. Tut uns Leid, aber dematerialisieren können wir uns auch nicht ;)

 

Bevor man aber ausliefern kann muss man erstmal die Adresse finden. Und das ist auch immer ein kleiner Tanz. Da unsre werten Kommunen pleite sind, wird natürlich auch an den Namensschildern der Straßen gespart. Gerne versteckt oder oft auch einfach erst garnicht da. Da kann man in so einer Einwohnerstraße schonmal ins rudern kommen, besonders wenns wie in Köln viele Einbahnstraßen gibt.

Da heißts dann oft "eine Runde ums Karee", den ewig können wir nirgends stehen und gucken, der nachfolgender Verkehr will ja auch weiter.

Vorteil für die Jungs vom Sammelbetrieb, die werden meist in einem Bezirk eingesetzt und kennen da schon ihre Pappenheimer. Wir Kuriere stehen jeden Tag aufs neue in wildfremden Ecken und müssen uns neu orientieren.

 

Ist dann die richtige Straße gefunden fehlt noch die Hausnummer. Auch hier wieder so eine Sache. Einige sind so nett und hängen große, gut lesbare Hausnummern auf, die man auch von der Straße aus sieht. Manche hängen kleine Nummern halb in den Hauseingang oder erst garkeine Hausnummern auf. In Köln ist es mir auch schon passiert das eine Hausnummer 2XX in der Region zwischen 11X und 12X hing. HAE?!

 

Nun kommen wir an die Haustür und zu einem Problem was vorallem die Leute von Hermes und Co sicher kennen und weswegen ich froh bin hauptsächlich für Industrie, Wirtschaft und Gewerbe zu fahren. Man klingelt beim Privathaushalt und aufeinmal bricht die Hölle los. Ein kläffen, bellen, martialischer Radau und man sieht nicht was hinter der Tür ist. Da sackt einem erstmal das Herz drei Etagen tiefer, weil man nicht weiß was jetzt rauskommt wenn die Tür aufgeht.

Kuschelwütiger Bernhardiener der nur schnuffeln will und sich freut das vielleicht ein weitrer Spielpartner kommt?! Oder ein agressiver Hofhund der meint jetzt muss er sein Revier bis auf die Zähne verteidigen?! Sowas hab ich bisher nur zweimal erlebt und muss es echt nicht noch ein drittesmal haben. Es ist immer schön wenn da die Besitzer schon durch die Tür versichern das der Hund gesichert ist oder ihr Tier beruhigen.

 

Das wären die negativen Aspekte. Es gibt natürlich auch viele Erlebnisse die einfach schön sind. Schon vor längrer Zeit z.B. bei einem Privathaushalt. Man klingelt und ein niedliches, 8 jähriges Mädchen macht auf. Schaut auf das Paket in meinen Händen, sieht meine Uniform an und fragt ihre Mutter "ob das jetzt ihr versprochnes Geburststagsgeschenk sei" und fängt ganz glücklich an zu strahlen als sie bejaht.

 

Oder der Kunde der an einem kalten Herbsttag schonmal ne Tasse Kaffee dahat. Auch das Untereinander mit andren Kollegen, selbst wenn sie von andren Firmen und Fahrzeugklassen kommen ist eigentlich recht gut. Man hilft sich zur Not schonmal in geisteskranken Lieferzonen beim rangieren oder setzt mal schnell um damit der, der die problematischere Ladung hat dichter an die Ladezone ranfahren kann.

Im Endeffekt machen wir eben, vom 40 T über den Crafter bis runter zum Combo alle das Gleiche. Zeug von A nach B fahren und daher kennt man die Sorgen und Probleme des andren in Sachen Auslieferung selber und versucht sich das Leben gegenseitig leichter zu machen.

 

Da überlässt dann z.B. der Combo auch die größere Anlieferlücke dem DHL-Sprinter oder der Truck gibt mir Lichthupe damit ich mich mit meinem Crafter zwischen die echten Elefanten einfädeln kann.

 

Ansonsten hat der Job eben Licht und Schatten wie jeder andre auch. Die Kollegen Sammelkutscher haben z.B. den Vorteil das sie zwar 80 Pakete aufeinmal drin haben, dafür aber sind die auch alle zumeist handlich und für einen Kunden. Als Kurierfahrer kanns einem passieren das man den ganzen Tag nur Briefe fährt und plötzlich muss man 25 Pakete a 10 KG in den dritten Stock schleppen und es gibt keinen Lift ( wirklich passiert ).

Dafür aber hat man als Kurier nicht den elendigen Stop n Go eines normalen Postfahrers, wir ruckeln ja nicht von Tür zu Tür in einem Viertel, sondern machen auch mal Langstrecke. Mal eben von Köln nach Emden hat ich schon dabei. Da ist das Leben dann wirklich entspannt. Auf die Bahn, 120 und rollen lassen.

 

Und am nächsten Tag kanns dann schon wieder ganz anders aussehen. Wir wissen nie was an Ladung auf uns zukommt, weswegen da auch immer eine gewisse Spannung dabei ist. Von der 200 KG Palette über die Autodachbox zum einzelnen Reifen, rüber zum Brief, rauf zum Paket, runter zum kompletten Motorblock ist alles möglich.

 

Alles in allem macht der Job aber wirklich Spass, man sieht viele neue Ecken, Leute und Lokalitäten, lernt die Region kennen und sieht auch Sachen die man sonst so nicht sieht. Ewig möcht ich den Job nicht machen, den er geht ganzschön auf die Knochen. Besonders weil man eben meistens alleine unterwegs ist und siehe allein die Sache oben mit den 25 Paketen. Trotzdem genieße ich die Zeit und versuch aus jeder Fahrt das Bestmögliche zu machen.

 

Und. Bitte nicht so aufregen wenn wir mal eine Idee schneller unterwegs sind. Wir werden schliesslich nicht dafür bezahlt das Auto Gassi zu führen, sondern dafür das euer Zeug schnell von A nach B kommt :)

 

Ansonsten könnte ich jetzt noch viel mehr erzählen, dutzende von Geschichten, man erlebt wirklich eine Menge. Aber der Artikel ist eh schon zu lang und ich überlass das Feld jetzt mal andren Frachtkutschern um mich vielleicht zu ergänzen wo ich das ein oder andre vergessen habe bzw warte auf Fragen meiner werten Leserschaft :)

 

Anbei oben noch das Bild eines bestimmten Schnellrestraunts wo ich auch manchmal stehe. Dort findet oft ein unfreiwilliges Postfahrertreffen statt, weil dort viele Postkutscher ihrer Pause machen. Leider nicht mit im Bild ist der Wagen von DPD der kurz darauf vorbeirauschte.


13.12.2011 08:41    |    Dr Seltsam Dr Seltsam    |    Kommentare (29)

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Nun ist Weihnachtszeit bzw voll im Anmarsch, auch wenns draußen so aussieht als wär das Wetter am Arsch. Grund für mich euch mal etwas übers Transportwesen zu erzählen, schon allein weil ich ein Teil dieser großen Maschinerie bin und jetzt die Hauptzeit der Warenlieferungen ist. Der Blog wird aus zwei Teilen bestehen weil das soviel ist. Und ich will euch nich alles aufeinmal zumuten ;) :)

 

HIER werd ich ersteinmal einen etwas breiteren Überblick aufbauen. Da ich bis vor einem Jahr noch ottonormal war und daher weiß das man eigentlich garnicht so viel als "normaler Mensch" von dem ganzen Liefertreiben um einen herrum mitbekommt, möchte ich euch nun erstmal die verschiedenen Lieferwege, Formen und Arten schnell darstellen.

 

Schaut euch also erstmal um. Was seht ihr in eurem Zimmer?! Klar, einen Computer. Einen Tisch. Vielleicht eine Digitalkamera. Ein Packet oder ein Brief. Und hunderte kleinere Dinge. Stifte, Kleber, Tesa, Kalender, Brillenputztuch samt Brille, Geschäftsunterlagen und vielleicht eure Arbeitstasche.

 

All diese Dinge müssen irgendwie dahin wo ihr sie bekommen habt. Das ganze ist ein riesen Feld und damit alle Sachen da landen wo sie hinsollen arbeiten tausende Menschen allein daran die Sachen zuzustellen und euer Zeug kann schon auf 4, 5 oder mehr Ladeflächen gelegen haben bevor ihr es in die Finger bekommt. Als Beispiel nehmen wir uns einfach mal so eine stinknormale Digitalkamera. Einfach eine Kamera wie sie fast jeder hat.

 

Die Kamera an sich kommt erstmal in einem Überseecontainer, vermutlich in Hamburg an. Dort beginnt unsre Lieferkette. Der Container kommt auf einen 40 T ( wie den oben im Bild, respekt an eure Parkkünste Jungs! ) und fährt von dort zu einem Zentrallager. Meistens sind solche Zentrallager mittig in Deutschland (z.B. das von Amazone ) damit alle Ecken von D schnell erreichbar sind.

HIER haben wir z.B. auch ein Einsatzgebiet für Gigaliner, von einem großen Lager zum andren.

 

Kommt nun unser LKW dort an, wird der Container geöffnet. Die Ladung Kameras unter der jetzt auch eure ist wird herrausgenommen. Der Truck der aber 25% der Gesamtladung nach Köln bringen soll, ist kaputt. Getriebeschaden. Jetzt kommt der erste "Spezialist" zum Einsatz. Ein Industriekurier.

 

Meistens sind das unmarkierte Sprinter die schnell Ersatzteile für Fabriken und/oder andre große Maschinen wie Laster von A nach B fahren wenns eilt. Unser Laster nach Köln hat niemanden der ihn vertretten kann und muss daher schnell wieder flott sein. Keine Zeit zu warten, man muss direkt durchfahren. Dafür der Sprinter, dafür der Industriekurier.

 

Am nächsten Tag dann ist unser Laster bereit nach Köln zu fahren und spuckt dort seine Ladung bei einem größren Elektroniklager aus. Von hier gehen dann kleiner Laster, z.B. 7,5 Tonner zu den großen Elektronikmärkten. Es fahren aber auch kleinere Fahrzeuge der Sprinterklasse wie z.B. Transit oder Crafter los, um den kleinen Elektronikkrauter um die Ecke zu beliefern.

 

Und bei so einem kleinen, noch Inhaber geführten Laden habt ihr eure Kamera bestellt. Die Kamera wird auch mit 8 andren vom gleichen Modelln via Sprinter dorthin geliefert. Leider werdet ihr erst spät Abends dazu kommen eure reservierte Fotoknippse abzuholen. In der Zwischenzeit hat der tüddelige Händler vergessen das die reserviert war und das letzte Modell des Objekts eurer Begierde verkauft. Was nun?!

 

Einsatz für mich bzw die Regionalkuriere. Wir kommen zum Einsatz wenns Regional schnell gehen muss. Also z.B. das unser tüddelige Einzelhändler bei einem befreundeten Einzelhändler angerufen hat der noch so eine Kamera auf Lager hat. Und das er die Kamera schnell bei sich braucht, weil ihr sonst böse werdet wenn ihr die fest versprochne Bildermaschine nicht bekommt.

 

Also wetzt ein kleineres Fahrzeug, meistens etwas aus der Kategorie Combo, Caddy oder Tourneo los und fährt zu Fotohändler B. Sammelt die Kamera direkt vor Ort ein und fährt sie zu ohne Umwege zu Händler B, damit der am Abend nicht blamiert dasteht. Ende gut, alles gut. Gleichzeitig fällt dem vergesslichen Verkäufer ein, dass seine Frau heute Geburtstag hat. Ein Anruf beim Blumendienst und etwas in der Form eines Fiestavan, eines Standartkleinwagen mit Blechwänden statt der hintren Seitenfenster, wird losgeschickt.

 

Diese kleinen Flitzer sind immer dann im Einsatz wenn auf kürzre Distanzen kleinere Sachen wie z.B. Blumen oder Lebensmittel übermittelt werden müssen. Noch kleiner sind oftmals nur die Pizzadienste und andre Lebensmittelkutscher unterwegs. Die fahren auch schonmal in einem Smart vor.

 

Gleichzeitig gibts da natürlich noch die normalen "Sammelkutscher" von DHL, DPD und Hermes die jeder kennt. Packet an einer Sammelstelle abgeben und dann geht das via Reisegruppe auf die Reise. Das kann euch dann aber besser die Maus erklären :D

 

http://www.youtube.com/watch?v=qfxKSD0w3v8

 

Wie nun das Leben hinter dem Lenkrad als liefernder Kurier aussieht ( ihr erinnert euch, der, der von Fotohändler A zu B fuhr ), was man dabei so alles erlebt und was mehr und weniger Spass macht, dass erzähl ich dann im nächsten Blog :)

 

Erfahrungsberrichte und eigentlich alle weitren Kommentare möchte ich im nächsten Blog bündeln, einfach der Übersicht halber. Wer nicht warten kann,darf natürlich schon jetzt, aber das hier ist eigentlich nur das "Vorspiel" um alle auf einen Kentnisstand zu bringen ;) :)