So, nachdem wir nun das Vorspiel hinter uns haben, wie sieht das Leben als Kurier- und Postkutscher aus?! Was passiert auf der andren Seite des Packets?!
Was ihr von uns seht, ist meistens nur das wir vorfahren, aussteigen, abliefern, einsteigen, abfahren. Soweit so gut. Meistens ist das auch eher der Job von den Jungs und Mädels von DHL, DPD und UPS. Wir Kuriere sind eigentlich mehr für Wirtschaft und Industrie zuständig, da wir auch ein gutes Stück teurer sind und nicht jeder bereit ist soviel Geld auszugeben.
Der berühmteste Zusteller ist übrigens Kurierfahrer. Gemeint ist hiermit der BMW-Fahrer der in 7 Jahren 1 Million Kilometer auf die Uhr gelegt hat und mittlerweile schon fast eine Forumslegende ist die fast jeder kennt. Solche Europakuriere die aber für ein Paket von Berlin nach Brüssel fahren sind eher selten, weil schweineteuer.
Wie sieht aber das Leben als Wald und Wiesenkurier aus?! Nunja, zum ersten holen wir unser Zeug statt an einem Sammelhub(lager) zumeist bei einem Stammkunden ab, also direkt von der Haustür des Auftraggebers. Die Anfahrten kennen wir aus dem FF und sind meistens auch angenehm weils oft große Lieferbuchten gibt. Auch wenn ich sagen muss, man erkennt eine modern gebaute Lieferzone sofort daran, dass sie teilweise ziemlich grausam geplant ist.
Da liegen dann z.B 30 CM hohe Findlinge als Randbegrenzung rum die unter jeder Sichtlinie verschwinden oder die Ausfahrt geht mitten über einen belebten Gehweg. Rghs. Klasse beim rangieren 
Trotzdem ist so eine Lieferzone immer noch eine Wonne gegenüber der Anlieferung in Innenstädten. Mir tun da immer die Kollegen von DHL und Co leid, die regelmäßig in Innenstädte liefern müssen ( wir Kuriere sind ja eher bei Wirtschaftsbetrieben zu finden mit besagten Ladezonen). Oftmals gibts in Innenstädten wie Köln keine oder nur viel zu kleine Ladezonen die dann noch zugeparkt sind.
Selbst wenn die Lücke PKW groß ist stellt man sich da ungern rein, bevor man sich rückwärts mit einem Kastenwagen in so eine Lücke reingezirkelt hat, hat man meistens schon längst ausgeliefert. Kollegen mit Kleintransportern passen da schon garnicht rein, die müssen Zwangsläufig auf der Straße parken. Tut uns Leid, aber dematerialisieren können wir uns auch nicht 
Bevor man aber ausliefern kann muss man erstmal die Adresse finden. Und das ist auch immer ein kleiner Tanz. Da unsre werten Kommunen pleite sind, wird natürlich auch an den Namensschildern der Straßen gespart. Gerne versteckt oder oft auch einfach erst garnicht da. Da kann man in so einer Einwohnerstraße schonmal ins rudern kommen, besonders wenns wie in Köln viele Einbahnstraßen gibt.
Da heißts dann oft "eine Runde ums Karee", den ewig können wir nirgends stehen und gucken, der nachfolgender Verkehr will ja auch weiter.
Vorteil für die Jungs vom Sammelbetrieb, die werden meist in einem Bezirk eingesetzt und kennen da schon ihre Pappenheimer. Wir Kuriere stehen jeden Tag aufs neue in wildfremden Ecken und müssen uns neu orientieren.
Ist dann die richtige Straße gefunden fehlt noch die Hausnummer. Auch hier wieder so eine Sache. Einige sind so nett und hängen große, gut lesbare Hausnummern auf, die man auch von der Straße aus sieht. Manche hängen kleine Nummern halb in den Hauseingang oder erst garkeine Hausnummern auf. In Köln ist es mir auch schon passiert das eine Hausnummer 2XX in der Region zwischen 11X und 12X hing. HAE?!
Nun kommen wir an die Haustür und zu einem Problem was vorallem die Leute von Hermes und Co sicher kennen und weswegen ich froh bin hauptsächlich für Industrie, Wirtschaft und Gewerbe zu fahren. Man klingelt beim Privathaushalt und aufeinmal bricht die Hölle los. Ein kläffen, bellen, martialischer Radau und man sieht nicht was hinter der Tür ist. Da sackt einem erstmal das Herz drei Etagen tiefer, weil man nicht weiß was jetzt rauskommt wenn die Tür aufgeht.
Kuschelwütiger Bernhardiener der nur schnuffeln will und sich freut das vielleicht ein weitrer Spielpartner kommt?! Oder ein agressiver Hofhund der meint jetzt muss er sein Revier bis auf die Zähne verteidigen?! Sowas hab ich bisher nur zweimal erlebt und muss es echt nicht noch ein drittesmal haben. Es ist immer schön wenn da die Besitzer schon durch die Tür versichern das der Hund gesichert ist oder ihr Tier beruhigen.
Das wären die negativen Aspekte. Es gibt natürlich auch viele Erlebnisse die einfach schön sind. Schon vor längrer Zeit z.B. bei einem Privathaushalt. Man klingelt und ein niedliches, 8 jähriges Mädchen macht auf. Schaut auf das Paket in meinen Händen, sieht meine Uniform an und fragt ihre Mutter "ob das jetzt ihr versprochnes Geburststagsgeschenk sei" und fängt ganz glücklich an zu strahlen als sie bejaht.
Oder der Kunde der an einem kalten Herbsttag schonmal ne Tasse Kaffee dahat. Auch das Untereinander mit andren Kollegen, selbst wenn sie von andren Firmen und Fahrzeugklassen kommen ist eigentlich recht gut. Man hilft sich zur Not schonmal in geisteskranken Lieferzonen beim rangieren oder setzt mal schnell um damit der, der die problematischere Ladung hat dichter an die Ladezone ranfahren kann.
Im Endeffekt machen wir eben, vom 40 T über den Crafter bis runter zum Combo alle das Gleiche. Zeug von A nach B fahren und daher kennt man die Sorgen und Probleme des andren in Sachen Auslieferung selber und versucht sich das Leben gegenseitig leichter zu machen.
Da überlässt dann z.B. der Combo auch die größere Anlieferlücke dem DHL-Sprinter oder der Truck gibt mir Lichthupe damit ich mich mit meinem Crafter zwischen die echten Elefanten einfädeln kann.
Ansonsten hat der Job eben Licht und Schatten wie jeder andre auch. Die Kollegen Sammelkutscher haben z.B. den Vorteil das sie zwar 80 Pakete aufeinmal drin haben, dafür aber sind die auch alle zumeist handlich und für einen Kunden. Als Kurierfahrer kanns einem passieren das man den ganzen Tag nur Briefe fährt und plötzlich muss man 25 Pakete a 10 KG in den dritten Stock schleppen und es gibt keinen Lift ( wirklich passiert ).
Dafür aber hat man als Kurier nicht den elendigen Stop n Go eines normalen Postfahrers, wir ruckeln ja nicht von Tür zu Tür in einem Viertel, sondern machen auch mal Langstrecke. Mal eben von Köln nach Emden hat ich schon dabei. Da ist das Leben dann wirklich entspannt. Auf die Bahn, 120 und rollen lassen.
Und am nächsten Tag kanns dann schon wieder ganz anders aussehen. Wir wissen nie was an Ladung auf uns zukommt, weswegen da auch immer eine gewisse Spannung dabei ist. Von der 200 KG Palette über die Autodachbox zum einzelnen Reifen, rüber zum Brief, rauf zum Paket, runter zum kompletten Motorblock ist alles möglich.
Alles in allem macht der Job aber wirklich Spass, man sieht viele neue Ecken, Leute und Lokalitäten, lernt die Region kennen und sieht auch Sachen die man sonst so nicht sieht. Ewig möcht ich den Job nicht machen, den er geht ganzschön auf die Knochen. Besonders weil man eben meistens alleine unterwegs ist und siehe allein die Sache oben mit den 25 Paketen. Trotzdem genieße ich die Zeit und versuch aus jeder Fahrt das Bestmögliche zu machen.
Und. Bitte nicht so aufregen wenn wir mal eine Idee schneller unterwegs sind. Wir werden schliesslich nicht dafür bezahlt das Auto Gassi zu führen, sondern dafür das euer Zeug schnell von A nach B kommt 
Ansonsten könnte ich jetzt noch viel mehr erzählen, dutzende von Geschichten, man erlebt wirklich eine Menge. Aber der Artikel ist eh schon zu lang und ich überlass das Feld jetzt mal andren Frachtkutschern um mich vielleicht zu ergänzen wo ich das ein oder andre vergessen habe bzw warte auf Fragen meiner werten Leserschaft 
Anbei oben noch das Bild eines bestimmten Schnellrestraunts wo ich auch manchmal stehe. Dort findet oft ein unfreiwilliges Postfahrertreffen statt, weil dort viele Postkutscher ihrer Pause machen. Leider nicht mit im Bild ist der Wagen von DPD der kurz darauf vorbeirauschte.