Hallo Zusammen!
bild-1Wie einige von Euch wissen, hatten der Kollege Sony und ich meinen Golf vergangenen Oktober auf 4 Böcke gestellt und den Motor ausgebaut. Die Schweller wollte ich mir ansehen, den Motorraum etwas aufhübschen und das sollte es dann auch gewesen sein. Aber es kommt meistens anders, und dann auch noch, als man denkt.
bild-2Voller Tatendrang fing ich an! Ölwanne weg, abschleifen, grundieren, lackieren. Das gleiche mit der Quertraverse und dem vorderen Motorhalter. Rasch noch einen Ölhobel bestellt, Edelstahlschrauben und das ganze auf dem Motorständer wieder zusammengebaut. Die Vergaser wurden bei dieser Gelegenheit auch demontiert um diese in der warmen Wohnung in Ruhe inspizieren zu können. Neue Dichtungen hier und das stilllegen der Choke's dort, habe ich nebenher erledigt und die Vergaser dann trocken und staubfrei im Schrank eingelagert.
bild-3Nun konnte es an den ersten Schweller gehen. Winkelschleifer besorgt, Zopfbürsten, Drahtbürsten, den Heizofen angeworfen und los! Bischen laut, bischen unbequem in der engen Garage, aber es ging ganz gut voran...., bis zum ersten Loch. Ich dachte ich sehe nicht richtig. Wo ein Loch ist, kann das nächste nicht weit sein hab ich mir gedacht und den linken Kotflügel auch noch demontiert. An der Stirnseite war die Geschichte schon ordentlich angerostet also hab ich alles brav weggeschliffen. Somit offenbarten sich 2 weitere kleine Löcher.
bild-4Da waren sie wieder meine 3 Probleme: Ein Golf mit Löchern, kein Schweißgerät und vor allem keinen Starkstrom. Anruf bei sony 8V: „Houston, wir haben ein Problem!“. Nach einigem hin und her sind wir zu der Erkenntnis gekommen dass die Anschaffung eines Schweißgeräts im jetzigen Stadium durchaus Sinn macht – wer weis wie die andere Seite aussieht. Dass man um Karosserieblech zu verschweißen keinen Starkstrom braucht, habe ich bei dieser Gelegenheit auch gleich noch gelernt. Ich habe mir für ein Komplettset von Güde entschieden. Mit elektronischem Schweißschirm, Handschuhen etc.
bild-5Zum Glück hatte ich Mitte 2011 bei sony einen kleinen Schweißkurs für Einsteiger belegt, also konnten wir via Telefon und Laberblog gemeinsam eine gute Grundeinstellung von Drahtvorschub und Power erreichen. Das erste Blech war rasch gebogen, eingeschweißt und verschliffen. Das kleine Loch weiter vorne habe ich mit einem Ministück Blech zugebrutzelt.
bild-6Dann ging es an die andere Seite...., und dann war schnell klar, dass sich das Gerät gelohnt hatte. Der Golf 2 hat am Unterboden diverse Gummistopfen um die Schweller mit Wachs fluten zu können. Das entfernen des ersten Stopfens offenbarte dass die Braune Pest das Loch nach eigenem ermessen vergrößert hatte.
bild-7Darüber hinaus hab ich noch ein Loch im Beifahrerfußraum gefunden und noch 3 weitere am Schweller. Irgendwann war dann alles wieder im Lot und ich habe das ganze mit Epiform gestrichen und aushärten lassen. Einige Zeit später dem ganzen mit Brantho Korrux eine weitere Schutzschicht verpasst und die Schweller mit der Spraydose wieder beilackiert.
Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen und der Rostfraß ist erst einmal gestoppt.
bild-8Der zeitliche Aufwand war gewaltig also konnte ich erst Ende Januar mit dem Kabelbaum beginnen. Ich habe dann relativ schnell festgestellt, dass es wohl ein frommer Wunsch bleiben würde das ganze im Auto „kurz“ durchzuziehen.
bild-9In der Zwischenzeit war auch ein neuer Gedanke herangereift. Sony und ich haben nach eingehender Diskussion und seiner Zusage mir zu helfen beschlossen, aus dem Auto einen Gruppe H Renner aufzubauen. Zuerst Fahrwerk, Bremse und Innnenraum, später im Jahr dann Käfig und Sitze.
10-2Also Kabelbaum raus und ins Bastelzimmer geschleppt. Was dann folgte, hat mich an den Rand der Verzweiflung getrieben. Ich konnte den Schaltplan nicht lesen, ganz zu schweigen davon, die elektischen Zusammenhänge zu begreifen. Meine Freundin ist Elektronikerin und konnte mir zum Glück die Grundlagen vermitteln. Die Pläne hat sie mir im Kopierladen auf DIN A 3 vergrößert und dann konnte es losgehen.
10Ich habe jedes einzelne Kabel zurückverfolgt, im Zweifel gekürzt oder erneuert. Insgesamt habe ich gute 40 Meter neues Kabel eingezogen, verlötet, mit Schrumpfschlauch versehen. Zugentlastungen gestrickt und mit der Telefonseelsorge sony einen Batterietrennschalter und eine Relaisschaltung auf die Beine gestellt. Nach ca. 35 Arbeitsstunden war ich mit den Nerven am Ende und der Kabelbaum weitestgehend fertig. Komplettiert wird das ganze im Auto.
11-2Da ich mir eine Löschanlage eingebildet hatte, waren die nächsten Hausaufgaben vorprogrammiert. Also die warme Stube verlassen und die Rohre verlegen. 3 Düsen in den Motorraum und 3 Düsen vorne in Richtung Füße von Fahrer und Copilot. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Platz für die Gelbatterie fixiert und eine Batteriehalterung beim benachbarten Schlosser in Auftrag gegeben. Diese Halterung wird mit 4 M10er Schrauben am Fahrzeug fixiert und die Batterie selbst wird dann mit einem Bügel in derselben sicher in Position gehalten. Die Rohre werden mit selbstgestrickten Halterungen an eigens eingezogenen Blindnietmuttern verschraubt. Da letztere zum mitdrehen neigten habe ich diese kurzerhand mit dem Schweißgerät festgepunktet. Ich ärger mich mit sowas nur einmal, hab ich mir gedacht....
11Dann stand der vorerst letzte Kraftakt auf der Agenda. Noch 2 Wochen bis zum veranschlagten Termin das Fahrzeug wieder auf die Räder zu stellen! Also Gas rann und die Bitumen Matten rauskratzen. DAS ist mal ne echte Fleißarbeit. Ich hab gedacht ich werde in 100 Jahren nicht fertig und der Termin rückte unaufhaltsam näher.
12-2Also hab ich die Zähne zusammengebissen und binnen einer Woche jede freie Minute gekratzt, geflext, geflucht, weitergekratzt, gereinigt und etliche male entfettet bis ich endlich grundieren konnte. Kurz mal den Innenraum rausstreichen? Denkste! Schleifen, wieder entfetten und dann geschlagene 5 Stunden streichen. Nach ein paar Tagen Trocknungszeit wieder schleifen, vom Schleifstaub befreien und dann endlich in Altweiß lackieren. Mit Pinsel und Rolle hat der Spass gute 6,5 Stunden gedauert, ich mit den Nerven mal wieder runter aber ich konnte sony einen Blitz sauberen Innenraum präsentieren.
12Am vergangenen Freitag war es dann endlich soweit. 5 Monate waren ins Land gezogen, ich um einige Erfahrungen reicher und meine Wohnung voll mit Teilen.
Bilstein B16, PU Buchsen für das ganze Fahrwerk, Stahlflex Bremsschläuche, neue Querlenker, eine pulverbeschichtete Hinterachse, neue Motorlager und etlicher Kleinkram lag zum Einbau bereit.
13Sony und Tom reisten bereits am Freitag an und nach einer kurzen Lagebesprechung ging es dann auch gegen 18:00 Uhr los.
Tom ist gelernter Mechaniker und begeisterter Motorsportmechaniker. Fahrwerk wechseln am Golf 2? Im Rennbetrieb? 18 Minuten! Die halbe Vorderachse am Seat Ibiza Cupra wechseln? Halbe Stunde!
14Sony kennt auch jede Schraube am Golf 2 beim Vornamen also waren die Voraussetzungen bis Sonntag fertig zu werden auf jeden Fall gut. Aber Ihr wisst ja wie das laufen kann...., nur eine abgerissenen Schraube.....
15Der Samstagvormittag kam und wir waren um 9 Uhr startklar. Ich bin noch rasch zu TROST gefahren um einen 18er Gabelring und 2 Spurstangenköpfe zu holen. Daheim angekommen erwartete man mich bereits. Die beiden hatten das Kunststück fertiggebracht und binnen EINER Stunde die alte Hinterachse demontiert und die neue mitsamt neuen Buchsen montiert.
Eine schlechte Nachricht haben man jedoch, wurde sogleich gemeldet. Die Achse ist krumm..., um gute 2 Zentimeter sei das Ding verzogen. Auweia, hab ich gedacht – das war's dann wohl...
Naja, es war zwar noch nicht der erste April, aber immerhin der 31. März also hat man rasch den Aprilscherz vorgezogen. Nach 5 Minuten die mir wie eine kleine Ewigkeit vorkamen klärte man mich auf: alle ok, nur Spass. Rennfahrergarn und so
16Kurzum: es ist hervorragend gelaufen! Es war eine Freude sony und Tom beim schrauben zuzusehen. Das ging so schnell, dass man den Eindruck hatte die beiden wären gerade dabei für Walter Röhrl persönlich auf der Rallye Montecarlo zu schrauben.
17Tom arbeitet mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Pfusch gibt es trotz zügigster Arbeitsweise nicht! Jede Schraube wird mehrmals kontrolliert und nach dem endgültigen anziehen mit einem Farbpunkt markiert. Das Fahrwerk wurde freilich im belasteten Zustand angezogen und merkt recht schnell, dieser Mann überlässt nichts dem Zufall.
18Als ehemaliger Modellrennsportler stellte ich rasch fest, dass wir hier die gleiche Wellenlänge haben. Sauber und ordentlich arbeiten!
Beispiel: an jeder Achse wurde der Entlüftungsnippel der Bremse mindestens 10 x auf und zu gemacht, bevor ich den Deckel des Behälters wieder aufschrauben durfte!
19Darüber hinaus war Ich allerdings mehr oder weniger zum Statisten degradiert. Werkzeug holen, Teile heranschaffen, hier was wegschrauben, dort ne Kleinigkeit rannschrauben, aufräumen. Kleinere Problem gab es beim Versuch vorne rechts die Mutter der Antriebswelle zu lösen. Ein bischen Gehirnschmalz und eine verbogene Radschraube später war auch diese Hürde genommen.
20Während sony die hinteren Bremsen montierte wurden vorne bereits die neuen Querlenker präzise eingebaut sowie die von sony überholten Bremsenteile der 256er Bremse bereitgelegt und synchron von den beiden eingebaut. Ein tolles Team!
21Gegen 19:30 waren wir dann soweit den Motor wieder an seinen Abeitsplatz zu verpflanzen. Auch hier ein Bild das man gesehen haben muss: Sony und Tom beim Motoreinbau – da sitzt jeder Handgriff! Gegen 21:30 war dann alles erledigt und wir wurden von Frau dodo nachdrücklich zum Abendessen aufgefordert! Mann muss doch auch mal was essen und nicht nur schrauben..., was soll man da noch sagen?
22Am heutigen Sonntag sind wir auch gegen 8:00 Uhr aus dem Bett gefallen um den Golf noch einmal vorne aufzubocken. Meine Aufgabe war es, noch die Antriebswellen festzuschrauben. Sony kümmerte sich um den Auspuff und Tom kontrollierte akribisch alle gelösten Schraubverbindungen auf festen Sitz.
23Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich in den letzten Monaten sehr viel gelernt habe und ich denke, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Selten habe ich in meinem Leben innerhalb so kurzer Zeit, so viele Herausforderungen meistern müssen wie bei diesem Hobby.
24Allerdings muss ich wieder einmal klar und deutlich sagen, dass ich ohne sony's Hilfe nicht so weit gekommen wäre. Viele Telefonate brachten viel Licht in ein für mich fast undurchdringliches Dunkel....
25An dieser Stelle abschließend noch einmal meinen allerherzlichsten Dank an sony und Tom für die herausragende Arbeitsleistung und die vielen wertvollen Tipps an diesem Wochenende – ich bin immer noch sprachlos und freue mich schon auf unser nächstes Treffen in sony's Schmiede! 
-dodo-
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