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Blog vondirki1600

09.04.2012 13:45    |    dirki1600    |    Kommentare (13)    |   Stichworte: , ,

Teil-Motorrevision beim Astra F mit X16XEL

 

Da der Motor auch in anderen Opelfahrzeugen verbaut ist bzw. wurde, gilt das hier beschriebene natürlich nicht nur für den Astra F.

 

Ist zwar etwas viel Text, liegt aber auch an der Vorgeschichte bzw. wie es zu der Reparatur nach und nach überhaupt kam. Nebenbei ist noch etwas zusätzliche und technische Info enthalten. Falls ihr keine Lust habt, alles zu lesen, dann schaut euch halt nur die Bilder an :-))....

 

Also...

 

Angefangen hat seinerzeit alles mit einem Zahnriemenriss aufgrund einer defekten Umlenkrolle (die linke bzw. hintere), bei der das Lager blockierte. 12 krumme Ventile waren das Resultat, aber keinerlei Risse oder abgebrochene Ventilführungen im Zylinderkopf. Diesen habe ich erfolgreich instandgesetzt und er lief wieder super.

Problem danach war nur der exorbitant hohe Ölverbrauch von ca. 1l/100-150km(!!).

Als erstes dachte ich dabei an beschädigte Ventilschaftabdichtungen, welche ich ebenfalls neu montiert hatte und welche evtl. bei der Montage einen wegbekommen haben könnten, wobei ich mir eigentlich sicher war, daß es DAS nicht sein kann. Dann noch bei solchen Mengen Öl? Ein Trabi ist nix dagegen und das ist ein Zweitakter ;-)

Naja, wie dem auch war, habe ich mir einen Druckluftadapter aus ner alten Kerze, einem Stück Rohr und einem Standard Druckluftanschluß hartgelötet bzw. zusammengelötet. Ventildeckel ab, Nockenwellen wieder raus, Stößel raus, Druckluft auf den (die) Zylinder und schon konnte ich die Schaftabdichtungen mit eingebautem Kopf wechseln, ohne das die Ventile in den Zylinder fallen :-) Das funktionierte mit meiner selbstgebastelten Ventilschaftzange zum Abziehen ganz gut. Etwas fuckelig war nur nachher die Montage der 2 halben Ventilkeile auf die Schäfte mit der Pinzette, weil das weniger leicht ist, wenn man sich dabei über den Motorraum beugen muß ;-)

Aber auch danach ging der Verbrauch nicht runter. Habe mal dies und mal das Öl nachgefüllt, aber nix. Der Motor rannte wie Atze, hatte auch ca. 17 bar auf allen Zylindern...klar, wenn da Öl drin steht. Das dichtet zus. ab. Er rannte so ca. 6000km bis ein Zylinder keine Kompression mehr hatte. da ahnte ich schon, daß ein Auslaßventil weggebrannt sein mußte, denn er hat sich während der 6000km ca. 20 Liter Öl gegönnt ;-)...

So war es dann auch. Die Zündkerzen natürlich nicht nur schwarz, sondern richtig verkohlt. Die Ventile sahen nicht besser aus :-)

Wie ich zwischenzeitlich gelesen hatte, ist oder waren ein großes Problem bei diesem Motor wohl die Abstreifringe. Eigentlich ist oder war es bei meinem nur die sch... Feder zwischen den Abstreifringen, welche diese nicht mehr genügend nach außen gegen die Zylinderwände drückt. Dazu kommen die Kolben mit erhöhtem Einbauspiel (ECOTEC)!! Normalerweise liegt das bei ca. 0,03-0,05mm max. Hier sind es schon eher 0,15. Dies bewirkt zusätzlich einen noch geringeren Anpressruck der Ringe, besonders bei dem eh schon schwachen Abstreifring, an die Zylinderwände...alles in Summe ergibt diese Probleme. Trotzdem ist es ein guter und vor allem sehr sparsamer (eben genau aus diesen Gründen, da weniger Reibung = weniger Verbrauch) und seiner Zeit weit voraus gewesener Motor, wovon damals Golf und Co bzgl. Verbrauch nur träumen konnten. Kein Problem, diesen Motor mit 7-8 Litern zu fahren und das nicht nur bei Omafahrweise ;-). Der 1,2l 45PS Corsa B meines Bekannten braucht auch nicht weniger, da man diese Möhre immer Vollgas fahren muß um von der Stelle zu kommen :-)) Der X16XE(L) (und natürlich auch andere) hatte 1994 schon Euro 3, was zu der Zeit noch lange nicht im Gespräch war bzgl. Steuern etc., Klopfkontrolle mit Lernfeld, AGR, seq. Einspritzung, DIS (Direktzündung) mit Kennfeld schon im Motorsteuergerät integriert, voll diagnosefähig mit Ausgabe bis zu 50 Echtzeitwerten gleichzeitig, Stellgliedtests usw. usw.

 

Zurück zum Thema:

Aber gerade nach Kopfreparaturen mit in meinem Fall noch neu eingeschliffenen Ventilen und richtig Druck auf den Zylindern werden die Teile dann zu einer Ölpumpe und das Öl drückt sich schön vorbei nach oben in den Brennraum.

Da der Wagen eigentlich so schon längst ein wirtschaftlicher Totalschaden ist, sich aber noch in sehr gutem Zustand befindet, kann man sowas eigentlich nur noch selber machen...oder verschrotten oder in Einzelteilen verkaufen oder....naja, dachte ich mir...meine Frau hängt dran, ich schraube gern und hab es mir mal zugetraut :-) Klar fragt man sich da, ob sich das bei knapp 150tkm noch lohnt oder was bringt...was soll ich sagen, ja!! Es hat sich gelohnt und er rennt nach fast 2 Jahren immer noch und braucht ca. 1l/6000km und ist seitdem knapp 20tkm gefahren !!! Ein zus. Vorteil hierbei ist, daß man GANZ GENAU weiß, was man dann hat!!! Schreiben kann ich viel, wenn ich einen gebrauchten Motor verkaufen will. Nur kommt das böse Erwachen dann eh erst, wenn er eingebaut ist und läuft...oder eben nicht ;-) Also wer es sich zutraut, sollte es so machen. Die angebotenen Motoren sind doch mittlerweile alle uralt und haben zig km auf der Uhr. Da kauft man sprichwörtlich immer die Katze im Sack...oder es wird extrem teuer und dann haben wir wieder den wirtschaftlichen Totalschaden.

 

Weiter im Thema:

Also Kopf wieder runter, nochmal 2 Ventile erneuert (eines war ja eh defekt, wie schon beschrieben), dann Hosenrohr ab, Ölwanne runter, 8 Pleuelschrauben gelöst und die 4 Kolben incl. Pleuel nach oben rausgedrückt. Wie auf den Bildern zu sehen, ist der Abstreifring des 3. Zylinders im Grunde bündig mit dem Kolbenhemd. Hier war der Verbrauch (Öl) und die Verkokung auch am schlimmsten. Beim 1. Zylinder sah er noch etwas besser aus. Hier sah der Rest dann auch entsprechend besser aus.

 

Habe die Kolbenringnuten dann gereinigt und komplett neue Ringe montiert. Die Ringe von Goetze hab ich genommen, System VF!! Das sind die besten, da sie eine ganz andere Feder haben, welche vom Prinzip des Aufbaus schon garnicht erschlaffen kann UND die 2 Ringe nach außen UND auseinander drückt. Original verbaut war das MF System -> Klick

Das selbstgebastelte Kolbenringspannteil besteht aus einer einfachen PE-Flasche, welche zufällig genau an einer bestimmten Stelle dem Kolbendurchmesser entsprach. So konnte ich erst den kompletten Kolben mit Ringen von oben reindrücken, dann auf den Block aufsetzen und anschl. den Kolben mit leichten Schlägen in den Zylinder treiben. Das klappte hervorragend und gefahrlos nach dazu :-))

 

Dazu habe ich selbstverst. auch noch neue Lagerschalen für die Pleuel montiert, ebenso NEUE Dehnschrauben, was sehr wichtig ist!!! Angezogen werden die in der 1. Stufe mit 25Nm und dann in der 2. mit 30 Grad, fertig....

 

Gemacht habe ich dies alles in 2010, deshalb kann ich aus Erfahrung sagen, daß es was bringt und nicht nur für kurze Zeit und zwar zu 100%! Auch bei alten Motoren, die schon was auf der Uhr haben :-) Ne komplette Revision mit aufbohren, Übermaßkolben, komplett neuer Lagerung usw. ist unmöglich zu bezahlen und ebenso unmöglich selber zu machen, denn wer hat schon die Maschinen und Erfahrungen dazu? Die Lagerschalen würde ich in jedem Fall immer erneuern, denn wenn das Teil schon auf ist und die Dinger eh draussen sind, dann gleich neue rein! Die Hauptlager gehen eigentlich nie oder seltenst kaputt, da dort auch die geringste Belastung entsteht. Die KW dreht sich in ihnen im Grunde wie ne normale Welle im Lager ähnl. Turbine. Extreme Fliehkräfte entstehen an den Pleueln (Lagern) im OT und UT bei den extrem hohen Kolbengeschwindigkeiten. Dazu werden diese (Pleuel) noch seitlich versetzt bei der Auf- und Abbewegung.

 

Denke mal, die Bilder sprechen für sich...einfach mal durchklicken :-)


10.04.2012 02:17    |    Daemonarch

SUPER! Schon Oppa sachte früher immer - nich wegschmeißen, feddich machen! Einfach vorbildlich!

Wünsche noch viele sorgenfreie KM mit dem "Überholten"... :)


10.04.2012 03:04    |    realsoft

Danke für den Beitrag !

 

diesem Vectra B mit der "Astra F" X16XEL Variante mit 1:20 Öl:Benzin Gemisch wird es wohl nicht mehr helfen

http://www.youtube.com/watch?v=cmJjCW2X9ao

 

Wie wären die reinen Materialkosten, wenn mann nur das notwendigste wechselt, nicht alless was man "SOLLTE" ?


10.04.2012 09:30    |    dirki1600

@Daemonarch:

Jo, meine Frau hängt an dem Wagen und ee ist ein seltenes Sport-Modell ähnl. GSi mit Lederlenkrad, ZV, eFh usw., welchen wir schon 12 Jahre haben. Entsprechend ist der Zustand, auch von innen top und nicht einer von den Megarostern :-) Trotzdem kriegste nix mehr dafür, deshalb selber machen oder Schrott ;-)

 

@realsoft:

1:20 wäre ja schon toll gewesen, aber wenn der Wagen bei 8 Litern Super auf 100km schon 1l Öl verbrennt, biste schon eher bei 1:10 ;-)

 

Zu den Materialkosten:

Ein Satz Ringe (für alle 4 Zylinder) kostet um die 80.- €, Pleuellagerschalen lagen bei ca. 25.-, die Schrauben dazu ca. 1,50/Stck.. Ok, dann kompletter Zylinderkopfdichtsatz um die 70.- € usw...du kannst natürlich auch nur die Kopfdichtung wechseln + Schrauben. da biste mit 30.- ca. dabei. Denn der muß ja auf jeden Fall runter, denn nach unten rausziehen geht nicht ;-) Ölwannendichtung um die 10-15. Hier und da noch Kleinkram, Dichtmasse usw.

 

Gemacht habe ich dies 2010, deshalb kann ich aus Erfahrung sagen, daß es was bringt und nicht nur für kurze Zeit und zwar zu 100%...auch bei alten Motoren, die schon was auf der Uhr haben :-) Ne komplette Revision mit aufbohren, Übermaßkolben, komplett neuer Lagerung usw. ist unmöglich zu bezahlen und ebenso unmöglich selber zu machen, denn wer hat schon die Maschinen und Erfahrungen dazu?


10.04.2012 22:06    |    Marc 22

Na die Kosten gehen ja, habe zwar nicht den Motor, aber mein X16SZR würde ich auch wieder ganz machen wenn der Motor defekt ist.

 

Ist zwar schon 221.000tkm gelaufen, aber ich weiß fast jedes Teil an meine Opel.;)

 

Ich sag ja auch immer, geht nicht gibs nichts, man kriegt alles wieder ganz.


10.04.2012 22:19    |    realsoft

danke für das Info !


11.04.2012 10:35    |    dirki1600

@Marc:

Ja, ich kenne die Teile auch mittlerweile in- und auswendig ;-) Bin seinerzeit selber 14 Jahre lang Opel gefahren. Angefangen mit Kadett D 1,6SR, dann den 1,8er GTE, seinerzeit aus 1. Hand mit 40tkm gekauft und dann 8 Jahre lang Astra GSi (C20NE)...lang ist´s her. Verarbeitung war zwar nie so der Bringer bei Opel damals und mein Astra war noch einer einer aus der Rostserie, aber zuverlässig waren die immer!!

 

@realsoft:

Kein Thema...sind natürlich, wie du sicherlich selber weißt, Zubehörpreise in Erstausrüsterqualität und nicht Opel-Apotheke ;-)


12.04.2012 17:24    |    gsxr-750r

saubere arbeit

 

 

mfg


04.05.2012 21:15    |    Oleoelstroem

Hallo Dirki1600,

 

vielen Dank für die ausführliche Beschreibung.

 

Wünsche Dir noch viele Kilometer mit Deinem Astra.

 

mfg


04.02.2013 16:06    |    Trackback

Kommentiert auf: Opel Astra G & Coupé:

 

Ölverbrauch nach Zylinderkopfwechsel

 

[...] sifft habe ich nicht bemerkt.

Kühlwasser sieht auch noch gut aus.

 

ich hab hier ein Thema gefunden;

http://www.motor-talk.de/.../...16xel-motor-teilrevision-t3864433.html

er hatte ein ähnliches Problem und hat es durch wechseln der Kolbenringe in den Griff bekommen.

Kann [...]

 

Artikel lesen ...


04.09.2013 20:08    |    mozartschwarz

Danke für den schönen Bericht.

Bei meinem Zafi scheint sich eh langsam die ZKD zu verabschieden, werd ich wohl das volle Programm durchziehen oder durchziehen lassen, mal sehen. Ölverbrauch liegt bei gern mal 1L/1000km. Ich hab zwar schon Kolben am C16NZ getauscht, aber hab Respekt vor den 16Ventilen und Angst vor meiner Frau wenn ich ihren Wagen nicht schnell genug fertig bekomme oder gar kaputtreparier:D Würde es aber irgendwie zugern selbst machen;)


12.09.2013 12:40    |    dirki1600

Hi mozartschwarz, danke für die Blumen :) Ist schon ne Zeit her :)

 

Was wichtig ist...Zahnriemenkit bitte nur A-Ware von Gates, Bosch etc. kaufen. Ich habe das letztes Jahr nochmal neu gemacht, weil es komisch klackerte und rasselte bei bestimmter Drehzahl, eher ein tickern wie von den Magnetventilen teilweise. Ganz komisch und deshalb dachte ich nie an irgend eine Umlenkrolle. Hatte schon die Einspritzleiste in der Hand und die Ventile von links nach rechts getauscht...nix gebracht.

 

Was wars letztlich? Eine "gebrochene" Umlenkrolle, und zwar die vordere (kleine). Bei der hat sich der komplette Laufring zerbröselt und lag unten in kleinen Stücken in der Abdeckung und der Riemen hatte so kaum noch Spannung! Das wäre es gewesen...wieder Ventile krumm und alles ab ;) Kurz vor knapp entdeckt. Lief also auf dem Metallring der Riemen!!

War noch nicht so alt, aber Zubehör. Seinerzeit vor einigen Jahren hatte ich auch alles neu gemacht, als der Riemen riß, 20tkm davor...was war es? Die hintere (große) Umlenkrolle...Kugellager blockierte ab und zu und später wohl nur noch und der Riemen hat sich so nach und nach durchgescheuert...zack kaputt.

 

Was danach kam, ist ja hier im Blog zu lesen :)

 

Wie gesagt...son ganzes Markenkit von Bosch, Gates und Co kostet so um die 130.-, sogar schon mit WaPu dabei...Seitdem ist Ruhe und ich muß auch nicht mehr alle 5tkm reingucken wie der Riemen aussieht und der Rest...


12.09.2013 14:19    |    realsoft

Mein X16XEL wartet jetzt einigen Monaten auf seine Überholung

Ich freue mich schon


13.09.2013 09:53    |    dirki1600

Zur Info nochmal:

 

Also es ist jetzt etwas über 30tkm her mit der Überholung und immer noch alles gut.

 

An Öl fahre ich 10W60 Racer von Meguin vollsynthetisch, auch wenns kein Rennmotor oder Motorradmotor ist. Aber der Verbrauch mit dem Öl ist nochmals geringer, weil 1. der Verdampfungsverlust bedeutend geringer ist bei diesen Ölen und 2. die Viskosität bei 100 Grad bzw. betriebswarmem Motor höher ist. Wenn man nun ein gestrecktes 40er Öl z.B. nimmt, so ist das schneller "weg", wobei ich eher den Verdacht habe, das dies durch Verdampfung als durch Verbrennung geschieht, da dieser Motor thermisch sehr hoch belastet ist.

Er fasst insgesamt nur eine Füllmenge von 3,5l incl. Filter (mein C180 mit 1,6l fasst 5,5l Motoröl). Wenn der Ölstand nun zus. noch mehr bei minimal als bei max. ist, sind es nur noch 2,5-3l und wenn man jetzt noch bedenkt, daß sich das Öl bei laufendem Motor im Umlauf befindet und nur noch ein Pfützchen in der Ölwanne, dann kann sich da auch nicht viel abkühlen. Öltemperaturen von 120 Grad und mehr sind dann kein Problem und viele Öle cracken dann schon. Habe das schon in anderen Beiträgen/Foren gelesen am Beispiel eines Vectra B mit diesem Motor. Derjenige hat die Temperatur auch am Öldruckschalter oder in der Nähe der Pumpe mit Einschraubfühler gemessen, denn nur da hat man realistische Werte.

Die vollsynthetischen sind zwar nicht so langzeitstabil, aber nach 10tkm bzw. 1x im Jahr kommt das eh raus. Außerdem haben diese Öle einen Reinigungseffekt auf lange Sicht gesehen. Gerade bei diesem Motor, der eh ratzfatz verkokt etc., von großem Vorteil.


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