10.07.2011 11:00
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norske
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Es geht rund… … oder: „The Chrysler Corporation Turbine Car“
Die Vorgeschichte
Anders als Ford, dort dachte man über einen Nuklearantrieb (Ford „Nucleon“, 1958) nach, entwickelte Chrysler Turbinenantriebe für PKWs. Bereits im Herbst 1953 präsentierte die Chrysler Corporation der erstaunten Fachpresse einen Plymouth Belvedere, der durch eine Gasturbine angetrieben wurde. 1956 bewältigte der Wagen die rund 2.500 Meilen (4.000 km) zwischen New York und Los Angeles problemlos. Die Turbine der zweiten Generation leistete 1959 200 Shaft Horse Power shp (Wellen-PS WPS), was etwa 270 bhp entsprach.
Die Gasturbine als Antrieb hatte sich also prinzipiell bewährt.
Chrysler Corporation Turbine Car
Sämtliche Karosserien, die ausschließlich in „Frostfire Metallic“ lackiert und mit einem schwarzen Vinyldach ausgestattet waren, wurden von Italien nach Detroit transportiert und von Chrysler mit der Gasturbine, dem Getriebe und den elektrischen Komponenten komplettiert. Insgesamt wurden so bis 1964 55 Autos hergestellt, die dann an die ersten der aus 30.000 Bewerbern ausgewählten 203 Testfahrer ausgeliefert wurden.
Am Anfang der rund 2 Jahre dauernden öffentlichen Testphase, in der die Autos für etwa 3 Monate den ausgewählten Testfahrern kostenlos zur Verfügung gestellt wurden, gab es ein paar Mängel, wie zum Beispiel die sehr hohe Abgastemperatur im Leerlauf und Startschwierigkeiten durch den kombinierten Anlasser / Generator. Alle diese Schwierigkeiten bekam Chrysler aber sehr schnell in den Griff und so waren während der Testphase immer 99% der Fahrzeuge vollständig fahrbereit und so konnten insgesamt rund 1.100.000 Test-Meilen abgespult werden.
Das Auto konnte mit jedem flüssigen Kraftstoff betrieben werden, Benzin, Diesel, Kerosin, Alkohol und auch Pflanzenöl war problemlos möglich. Der mexikanische Präsident Adolfo López Mateos fuhr eines der Turbine Cars mit Tequila und gewann so eine Wette. Beim Wechsel der Kraftstoffart musste nichts umgestellt werden, auch konnten alle Treibstoffe miteinander gemischt werden. Die Turbine leistete etwa 130 bhp und lief nahezu vibrationsfrei.
Type: Regenerative gas turbine Rated Output: Power: 130bhp (97 kW) @ 3.600 rpm output shaft speed Torque: 425 lb-ft (576 Nm) @ zero rpm output shaft speed
Weight: 410 lb (186 kg)
Basic Engine Dimensions (without accessories): Length: 25 in. (635 mm) Width: 25,5 in. (648 mm) Height: 27,5 in. (699 mm) With current accessories in place, the over-all length is: 35 in. (889 mm)
Fuels: Unleaded gasoline, diesel fuel, kerosene, JP-4, etc
Maximum Gas Generator Speed: 44.600 rpm Maximum Second Stage Turbine Speed: 45.700 rpm Maximum Output Speed (after reduction gears): 4.680 rpm Maximum Regenerator Speed: 22 rpm Compressor Air Flow: 2,2 lb/s (1,0 kg/s) First Stage Inlet Temperatur: 1.700°F (927°C) Exhaust Temperatur (full power): 525°F (274°C) Exhaust Temperatur (idle): 180°F (82°C)
Schicksal der Autos
Bis auf neun Fahrzeuge wurden alle Turbine Cars im Winter 1967 durch die Chrysler Corporation vernichtet. Von den verbliebenen neun Fahrzeugen sind heute noch fünf fahrbereit, sieben der Autos stehen in amerikanischen Museen und zwei Turbine Cars befinden sich in Privatbesitz, eines davon gehört Jay Leno.
Das Projekt „Gasturbine“
Bei Chrysler wurde das Projekt Gasturbinenantrieb bis in die späten ’70er Jahre nicht aufgegeben. Chrysler fiel aber Mitte der ’70er Jahre in eine finanzielle Schieflage und brauchte Staatsbürgschaften um zu überleben. Diese wurden von der US-Regierung gewährt, allerdings unter der Bedingung, die Weiterentwicklung des Turbinenantriebs aufzugeben.
Die Sales Brochure:
Der Driver's Guide:
Grüsse Norske
Quellen: Chrysler Corporation „History of Chrysler Corporation Gas Turbine Vehicles“, Turbinecar.com, Allpar.com, Howstuffworks.com, TheOldCarManualProject.com, Wikipedia |























































Kommentare: 10
10.07.2011 11:12 |
andyrx
Moin
dieses spektakuläre Auto war bei mir auch mal Thema-->http://www.motor-talk.de/.../...r-max-drehzahl-44-600rpm-t2614446.html
einfach faszinierend was man damals so alles ausprobiert hat
mfg Andy
10.07.2011 11:41 |
Rockport1911
Hüsches Ding, aber es ist vielleicht besser so das niemand den Plan weiterverfolgt hat. Die Ölvorkommen wären schon längst erschöpft und auch im Autofahreralltag wäre vieles anders. "Verblasen" würde eine komplett neue Bedeutung bekommen wenn man mit "Full Throttle" an der Ampel losfährt und die Front des Hintermans danach leicht angegokelt aussieht
.
Bewegte Bilder:
http://www.youtube.com/watch?v=dNq24x1HBok&feature=channel_video_title
10.07.2011 11:44 |
oli
Sehr schöner Blogeintrag mit tollen Bildern und garstigem Video zum Schluss. Der Vollständigkeit halber: Warum wurde der Antrieb nie zur Serienreife gebracht, wenn doch alle Probleme lösbar erschienen? Warum ist selbst heute, im Zeitalter der alternativen Antriebe und Interesse an Multifuel so wenig die Rede von Gasturbinen?
Lieb Gruss
Oli
10.07.2011 11:53 |
Rockport1911
Die haben denen den Geldhahn zugedreht. Die Fahrleistungen waren zwar gut, aber der Verbrauch war selbst für damalige Verhältnisse exorbitant hoch. Schau die einfach mal den Verbrauch eines M1- Abrams Gasturbinen- Panzer an. Klar hat der Leistung satt aber ein Verbrauch von 1480l/ 100km ist schon gigantisch. Dafür könntest du dann aber alles tanlken. Außerdem war bestimmt wieder eine Lobby im Spiel, denn eine Gasturbine gilt als technisch unproblematisch und hat nur sehr wenige Verschleißteile. Man kriegt sie eigentlich nur kaputt indem man Dreck ansaugt ( Golfkrieg 91).
10.07.2011 12:26 |
norske
@ andyrx:
Deinen Blogeintrag zum Turbine Car hatte ich auch gelesen und seinerzeit auch kommentiert. Allerdings finde ich Deinen etwas dünn und dachte deshalb, ich bereite das Thema noch einmal und etwas tiefer gehend auf. Außerdem passt das Auto optimal in meine Reihe ungewöhnlicher amerikanischer Autos…
@ Rockport1911:
Da die Turbine gewissermaßen mit allem was brennt gefahren werden kann, sehe ich die Gefahr für die weltweiten Ölvorkommen als eher gering an, vor allem, wenn man den für das Auto angegebenen Verbrauch von 13-14 mpg (17-18 l/100 km) berücksichtigt.
@ oli:
Das Hauptproblem lag wohl in der hohen Produktion von Stickoxiden beim Betrieb der Turbine. Kohlenmonoxid und unverbrannte Kohlenwasserstoffe waren kein Problem, nur gab es sehr große Schwierigkeiten, die NOx Emissionen in den Griff zu bekommen.
Mit dem hier vorgestellten Auto, das optisch sicher das spektakulärste war, und der Vernichtung des selben war ja noch nicht Schluss mit dem Projekt. Die sechste Generation Gasturbine, im hier vorgestellten Auto werkelte die 4. Generation, kam in einem ansonsten serienmäßigen '66er Dodge Coronet zum Einsatz. Die siebente Turbinengeneration wurde in verschiedenen Modellen u.a. im '76er Dodge Aspen gefahren.
Da Dich das Thema offenbar stärker interessiert, hänge ich die History of Chrysler Corporation – GAS TURBINE VEHICLES Broschüre von 1979 als PDF mal an.
Grüsse
Norske
10.07.2011 12:54 |
Andi2011
Für Technikbegeisterte ein leckerer Blogbeitrag,danke
Grüße
Andi2011
10.07.2011 14:14 |
Goify
Das ist ja erstaunlich, die Fahren direkt mit der Turbine, also nur ein Getriebe dazwischen. Das ist ja eher selten. Bei Lokomotiven wird meist Strom gemacht, der dann die E-Motoren beliefert, sprich eine E-Lok mit Gaskraftwerk.
Könnte man das Prinzip Biogasturbine ---> Generator ---> Batterie ---> Elektromotor nicht im PKW anwenden? Hätte mehrere Vorteile, einerseits läuft die Gasturbine nur bei Bedarf, dann aber bei Volllast, also ökonomisch, da ja Turbinen bei Leerlauf oder Halblast fast den gleichen Verbrauch haben. Dann die Möglichkeit, die Batterie entweder an der Steckdose aufzuladen oder eben mit der Gasturbine und natürlich die Möglichkeit, mit verschiedensten Biokraftstoffen das Ding zu betreiben.
Wäre dann so eine Art Hybrid. Sowas in der Art, nur mit Hubkolbenmotor gibt es ja schon.
10.07.2011 21:02 |
TheWurst
Was ein geiles Auto! Einen der letzten Überlebenden hab ich 2009 im Petersen Automotive Museum in LA gesehen, das war schon...beeindruckend!
Tja, Jay Leno müsste man heissen... 
10.07.2011 22:54 |
norske
Die Dokumentation der Turbine Cars ist vergleichbar gut wie die des Tucker '48.
Das Fahrzeug mit der Nummer 991211 befindet sich, fahrbereit, im Museum of Transportation, St. Louis
Nummer 991225 im Gilmore Museum, Hickory Corners (nicht fahrbereit), N° 991230 und N° 991247 im Walter P. Chrysler Museum (beide fahrbereit), N° 991231 in Privatbesitz in Indiana (fahrbereit), N° 991234 - Henry Ford Museum, Dearborn (nicht fahrbereit), N° 991242 in der Jay Leno Collection (fahrbereit), N° 991244 im Natural History Museum, ausgestellt im Petersen Museum, Los Angeles (nicht fahrbereit) und N° 991245 im Smithsonian, Washington DC (nicht fahrbereit).
Grüsse
Norske
30.04.2012 10:26 |
norske
Bei der Recherche zu einem kommenden Artikel stieß ich mehr oder weniger zufällig auf die original Sales Brochure (eigentlich eine vollkommen unpassende Bezeichnung, da die Autos ja nie verkauft wurden) und den Turbine Car Driver's Guide, die ich den interessierten Lesern auf keinen Fall vorenthalten möchte und darum oben noch eingefügt habe.
Grüsse
Norske