C30 - Wieso kauft man sowas?

Mein C30, 740 und die britische Motorkultur...

03.02.2009 21:12    |    der_deppen_daemel der_deppen_daemel    |    Kommentare (8)

Hallo Ihr Leser!

 

Nach einer erfolglosen Limousine, einem seltenen Englischen Musclecar und eine besonders erfolgreiche Motorenkreation ist es Zeit, wieder einen Hersteller bekannter zu machen. Eigentlich brauche ich den Hersteller nicht nennen, denn sobald ein Bild gesehen wird, werden 99% aller Leser wissen, welche Marke gemeint ist.

 

Ich rede von: Reliant Motors

 

Reliant Motors LogoReliant Motors LogoReliant? Das sagt dir nichts? Dann lese bitte weiter! Die Marke Reliant wurde 1935 von T. L. Williams in Staffordshire gegründet und sollte das 3-Rad-Van von Raleigh, eines der ältesten Fahrradherstellern der Welt, weiter bauen, nachdem man Produktion einstellen wollte. Diese 3-Rad-Vans wurden von 0,75l V2-Motoren angetrieben, bis man eine Lizenznachbau des Austin 7 Seitenventilers verwendete.

 

Bis 1951 widmete man sich ganz der Produktion von Nutzfahrzeugen. In Zeiten des aufkommenden Individualverkehrs wollten in 1952 die Damen und Herren von Reliant etwas vom "Kuchen" abhaben. Aus dem Grunde wurde ein 4-sitziges Modell entwickelt. Dem Reliant Regal - nicht mit dem Buick Regal zu verwechseln. Mit einer Glasfaser Karosserie wog dieses Fahrzeug nahe zu "gar nichts".

 

Reliant Regal LimousineReliant Regal LimousineWie bei Glas in Deutschland, bot man Fahrzeuge an, die mit dem damaligen Motorrad oder Moped Führerschein zu bewegen waren. Um den englischen Gesetzen konform zu werden, musste der Wagen als 3-Rad zugelassen werden und genau jetzt müsste es bei dir, dem Leser, "klick" machen.

 

Der Regal war der erste Eigenentwurf auf Basis des alten Raleigh Vans und wurde zu einem Erfolg für die Marke. Umgehend wurden neue Versionen vorgestellt und verkauft: Mk II, Mk III, Mk IV, Mk V, Mk VI sowie die 21/E, 3/25 und 3/30 Serien. Im Grunde blieb der Wagen für 21 Jahren im Programm dieser kleinen "Manufaktur" und bildete den Rückrat.

 

Wie auch üblich, musste, da England das Land der Roadster ist, ein Roadster her. In Zusammenarbeit mit der israelischen Firma Autocars, baute man 1961 einen schicken und exklusiven "Sportwagen". Angetrieben von einem 1,7l Ford Consul (englischer Consul) 4-Zylinder mit 73 ps machten das Auto gute 140 km/h schnell. Zum Stehen kam der Wagen mittels 4 Scheibenbremsen sehr schnell und zu schalten war das Getriebe von ZF, welches vollsynchronisiert war, sehr gut. 1962 wurde eine Coupé Version vorgestellt. Trotz zweier verschiedene Karosserie Formen, wurden bis 1964 nur 208 Sabres gebaut. Im selben Jahr wurde eine neue Maschine eingebaut und ergab - was man anhand des Namens erkennt - ein neues Modell: dem Reliant Sabre Six.

 

Reliant Sabre SixReliant Sabre SixWofür könnte die Six stehen? Ganz richtig! Ein 6-Zylinder wurde von Ford erworben. 2,5l Hubraum, 109ps und 180 km/h Spitze machten den Wagen zu einer Rakete. Aufgrund des höheren Gewichtes und der neuen Maschine, wurde die Front sowie die Aufhängung geändert und so änderte sich die Front des Wagens minimal.

 

Der Super Six war noch exklusiver. Es wurden lediglich 77 Fahrzeuge gebaut. Davon nur 2 Cabriolets! Wer ein Sabre Six Cabriolet ergattern konnte, er wird dennicht so schnell wieder hergeben.

 

Im selben Jahr, wo der Sabre eingestellt wurde, präsentierte man wieder einen Sportwagen. In der Hoffnung ein Erfolg landen zu können, wurde der Scimitar vorgestellt. Der Scimitar stellt ein wichtiger Kapitel der Firmengeschichte dar. Von 1962 bis 1995 wurden viele verschiedene Versionen angeboten. Mit Motoren von 1.3l Hubraum (4-Zylinder) bis zu einem 3.0l V6 von Ford war der Scimitar eines der schnellsten Reliants die jemals gebaut wurden. Am bekanntesten dürfte der Scimitar GTE SE5 sein. Ein 4-Sitzer den man als "Shooting Break" bezeichnete. 1968, somit 3 Jahre vor dem Volvo P1800ES, wurde dieses Fahrzeug vorgestellt. Mit einer VMax von etwas über 200 km/h war es nicht nur schnell und hübsch, sondern auch noch sehr variabel. 4 Personen konnten Platz nehmen. Dazu die Golftasche oder andere Gegenstände im formschönen Kofferraum untergebracht.Reliant Scimitar GTEReliant Scimitar GTEReliant RobinReliant Robin

 

Ebenfalls 1964 kam der Versuch im Kleinwagensegment Fuß zu fassen. Ein Kleinwagen mit 4 Rädern und 2 Karosserieformen (Kombi und Limousine) mit dem Namen "Rebel". Ganz so erfolgreich wie erhofft war der Rebel nicht. Nur 3.500 Fahrzeuge wurden verkauft und 1974 vom Kitten abgelöst.

 

Und dann kam es, das Auto, das uns alle bekannt vorkommen MUSS. Wer es nicht vom Namen her kennen sollte, er wird es jetzt am Bild erkennen: Der Reliant Robin!

 

Woher kennen wir es? Von Mr. Bean und diversen anderen Sendung. Dieses Auto soll das erfolgreichste Auto der Schmiede sein. Von 1973 bis 1981 und, was in der bisherigen Geschichte aller Hersteller wohl noch nie passiert ist, 8 Jahre später erneut aufgelegt. Zwischen 1989 und 2002 liefen wieder, leicht veränderte, Robins vom Band. Mit einem gewicht von unter 450 kg, kann man den Robin immer noch mit einem B1 Führerschein (englische Moped/Motorradklasse) oder mit dem Autoführerschein gefahren werden. Mit 29 kw und einer Höchstgeschwindigkeit waren diese Fahrzeuge, die immer noch 3 Räder hatten, sehr beliebt und haben einen besonderen kulturellen Wert auf den britischen Inseln.

 

Nach vielen Auftritten im Fernsehen, bei Mr. Bean und in "Only Fools and Horses" (Kultsendung) bekamen die Robins ein Kultstatus. Aufgrund des Gewichtes und des einfachen Aufbaus (Heckantrieb, Motor vorne) sind die Robins sehr beliebt fpr Umbauten jeder Art. Sei es mit Motorrad Motor, Turboaufladung oder dem englischen Motor schlecht hin: dem Rover V8, dieses "Autochen" kann alles ab:

 

 

Kein anderer Reliant war so erfolgreich, wie der Robin. Die wichtigsten Modelle seit 1951 waren:

 

Robin aus Only Fools and HorsesRobin aus Only Fools and HorsesRegal 1951-1972

Sabre 1961-1964

Scimitar GT 1964-1970

Rebel 1964-1973

FW5 1966-1975

TW9 1967-1987

Scimitar GTE/GTC 1968-1982

Robin 1973-1981, 1989-2002

Kitten 1975-1982

FW11 1977

Rialto 1981-1998

Fox 1983-1990

Scimitar SS1 1984-1990

Scimitar SST 1990-1992

Scimitar Sabre 1992-1995

 

2001 zog die Firma von Staffordshire um nach Cannock (immer noch im Herzen Englands) bis kurz danach die Produktion eingestellt wurde. Man plante den Import bestimmter Fahrzeuge aus Indien und Frankreich, jedoch wurden diese Pläne verworfen.

 

Wieder ging ein Stück britischer Autogeschichte verloren und verschwand von der Bildfläche. Die Fangemeinde wächst stetig weiter und aufgrund der Glasfaserkarosserien, werden diese noch lange Zeit zu sehen sein.


Kommentare: 8

03.02.2009 22:32    |    emil2267 emil2267

http://de.youtube.com/watch?v=qR3vZpBTaY8

 

ich liebe diese kisten :D


03.02.2009 23:46    |    KKW 20 KKW 20

Ahhh...Reliant Robin, Mr. Bean's Erzfeind.:D


03.02.2009 23:48    |    der_deppen_daemel der_deppen_daemel

Jawohl! Die Marke kennt man - unbewusst ;)

 

In England noch im Alltag zu sehen... Einfach weil die Autos nicht wegrosten :D Sie "bröseln" dahin :D


04.02.2009 00:11    |    Olli the Driver Olli the Driver

Danke, jetzt weiß ich endlich was ich da gesehen habe :)



04.02.2009 12:13    |    ballex ballex

Und wie schnell fahren die Dinger? ^^ Also der Robin?


04.02.2009 12:30    |    der_deppen_daemel der_deppen_daemel

135 km/h ;) Mehr sind aber auch drin!


08.02.2009 05:47    |    andythecandy andythecandy

Igelkiller!!!


17.03.2009 10:07    |    Pingback Pingback

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Auszeichnung

Mein Blog hat am 05.08.2009 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

Wer hat's verbockt?

der_deppen_daemel der_deppen_daemel

Spritsparender Raser


1986 den Fertigungstunnel in Großbritannien verlassen und bereits nach wenigen Wochen mit den ersten Kinderkrankheiten in die Werkstatt berufen, wurde ich 1997 in die Bundesrepublik überführt und bin seitdem im Landkreis Verden angemeldet :D Mit hellem Leder, schon gräulichen Scheinwerfern und ein höher gelegtes Fahrwerk siehe ich nicht gerade aus wie "made in England". Mein Hobby hat 5 Räder (alle 5 sind während des Fahrens in Gebrauch), 4 Töpfe, 3 Pedale, etwas Alu, viel Glas und trägt den skandinavisch angehauchten Namen: Sörtie.

Sörtie (Volvo C30)

Meine aktuellen Autos

Volvo C30 'Sörtie'

Meine Alltagsdame. Täglich und europaweit im Einsatz. Gekauft um Geld zu sparen (was es auch macht :D) und bereits sehr viel erlebt. Sparsam, sicher und einmalig in der Optik.

 

Volvo 740 'Erik'

Mein Projektwagen. Der Wagen steht vor einer vollständigen Restaurierung samt Anpassung an meinem Geschmack (Innenraumfarbe). Alles wird im Rahmen des Möglichen und H-Kennzeichen Gerechten erledigt :) Ein Liebhaberstück soll daraus werden.

Dauerneugierige

4. Geburtstag

Alles Gute zum Geburtstag Sörtie!

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