Gut ein halbes, nachdem mir mit einem freundlichen Händedruck der rosafarbene Übergangslappen ausgehändigt wurde, möchte ich gerne mal meine Eindrücke und Erfahrungen im ersten halben Jahr als aktiver Strassenverkehrsteilnehmer niederschreiben.
Noch deutlich sehe ich vor mir, wie ich im Herbst 2008 nervös von einem Bein auf das andere tretend vorm Strassenverkehrsamt stand. Mein Freund, der direkt vor mir Prüfung haben sollte, und ich wurden von unserem Fahrlehrer direkt morgens abgeholt und zusammen gingen wir nocheinmal einige wichtige Punkte für die Prüfung durch.
Dann aber war es soweit, nach einer scheinbar endlos lange halben Stunde, in denen sich die Prüfer am Nebentisch das Frühstück haben schmecken lassen, war mein Kumpel als erster an der Reihe. Für mich hieß es allerdings zu versuchen, mich vor der bevorstehenden Prüfung nicht verrückt zu machen.
Ich hatte zwar von meinem Fahrlehrer öfters gehört, dass ich doch wirklich ganz gut fahren könne und hatte auch selbst von mir den Eindruck, das meiste, von den technischen Parts über die Autobahn bis zum Einparken, alles ganz gut zu beherrschen.
Aber vor so einem wichtigen Ereigniss fällt das alles recht flach. Man ist einfach unglaublich nervös und hofft, dass alles gut geht.
Der Druck wurde umso größer, als der Fahrschulwagen mit einem grinsen Fahrer am Steuer wieder auf den Parkplatz rollte.
Schließlich dann aber saß ich im Wagen, so aufgeregt, dass ich mit meinem zitternden Bein an der Ampel fast die Kupplung losgelassen hätte, aber 45 Minuten später war auch ich stolzer Besitzer des Führerscheins mit 17
Nun begann für mich eine neue Ära und meine Eltern und ich tauschten bei den meisten Fahrten die Plätze. Bei vielen, weil mein Vater selbst sehr gern Auto fährt und er verständlicherweise seinen 5er neben den Fahrten zur Arbeit auch so gern so häufig wie möglich bewegen möchte.
Seine bessere Hälfte, wie man so schön sagt, also meine Mutter ließ sich aber von anfang an gerne Fahren, auch wenn das Zusammenspiel zwischen mir und dem Renault Twingo anfangs ein wenig problembehaftet war.
Aus dem Audi A3 1.9 TDI wär ich nämlich ein schön kräftiges Dieseltriebwerk mit einem ordentlichen Drehmoment gewöhnt. Anfahren oder rückwärts einparken nur mithilfe der Kupplung war absolut kein Problem.
Und daran hatte ich mich wärend der Fahrstunden dran gewöhnt. Umso schwerer fiel es mir entsprechend, mit den gut 50PS des kleinen Wägelchens und einer Kupplung klarzukommen, die einem tritt in eine Schale Vanillepudding nicht viel nachsteht.
Nur wie es so läuft, habe ich mich mittlerweile auch an den manchmal störrischen zweiten Gang gewöhnt und schalten die Gänge meistens mit einem butterweichen Anschluss durch.
So soll es sein
Deutlich anders hingegen lief es von anfang an mit dem 530d väterlicherseits. Da mit einer Automatik ausgestattet, musste ich mich erstmal daran gewöhnen, nicht am Wählhebel rumzuzerren oder nach einem dritten Pedal im Fussraum zu suchen, welches nicht vorhanden ist.
Entgegen meiner Vermutung war bzw. ist dies kein Problem und es macht überhaupt nichts aus, vom Schaltwagen zur Automatik zu wechseln, ohne dabei Unsicherheiten aufkommen zu lassen.
Problematischer ist im Zusammenhang mit dem BMW eher, dass man doch ein wenig erfürchtig und und anfangs auch ein wenig ängstlich fährt, wenn man so ein teures Teil über deutsche Strassen bewegt. Vor allem die knapp 4,90m Außenlänge sind z.B im Parkhaus alles andere als witzig, da gefällt der Twingo deutlich besser, aber die Souveränität des Reisens ist im 5er schon beeindruckend, genauso wie die Fahrleistungen, aber dazu in einem gesonderten Fahrbericht mehr.
Jedenfalls macht es mir jedes Mal aufs neue unglaublich Spass, eines der beiden Fahrzeuge zu bewegen, auch wenn ich nicht wie anfangs erhofft, jede Woche zum Fahren komme.
Dafür ist es in anderen Wochen aber wieder mehr.
Was man aber merkt ist, wie sich das Fahrvermögen im Laufe des ersten halben Jahres doch gebessert hat. Dank meiner mir stets anmerkend zur Seite stehenden Eltern konnte ich, wie ich finde, schon einiges an Wissen und Handlungsweisen auch für schwierige und unübersichtliche Situationen mitnehmen.
Generell denke ich, dass sich der Führerschein mit 17 absolut lohnt und für beide Seiten, die Eltern und die Fahranfänger eigentlich nur Gutes bringt.
Einerseits lernen die schon länger im Besitz der Fahrerlaubniss sich befindenen Erwachsenen, jüngeren und unerfahreneren Fahrern zu vertrauen und zum anderen ist die Tatsache, dass immer einer über das ganze Geschehen wacht dem eigenen Können und dem Fahrverhalten alles andere als abträglich.
Immer wieder wende ich mich zum Beispiel bei Autobahnfahrten an meinen Vater, wenn ich mir bezüglich unübersichtlichen Situationen oder anderer Sachen nicht ganz sicher bin.
Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass viele Leute direkt nach der Fahrschule in einem eigenen Auto, ohne zwei wachsame Auge zur rechten, auf den Verkehr losgelassen werden und wenn ich dann noch daran denke, wie selbstbewusst man aus der Fahrschule kam "Jetzt kann ich fahren, Leute ich komme", was ein fataler Trugschluss ist, dann wird mir die Bedeutung des begleiteten Fahrens erst richtig bewusst.
Meiner Meinung nach sollte man noch viel öffentlichkeitswirksamer darauf aufmerksam machen, wie hilfreich der Führerschein mit 17 für das weitere Autofahrerleben ist.
Wenn das ganze jetzt noch fahrschulseitig mit einem Basis Pflichtfahrtraining bereichert werden würde, wär die Einführung des verfrühten Führerscheins schlichtweg perfekt, aber auch so würde ich ihn jederzeit wieder dem ab 18 Jahren vorziehen.
Liebe Grüße
René