Hallo zusammen,
heute geht es um ein exklusives Produkt, um ein Wachs das "made in Germany" ist und zu 100% ohne Zugabe von Chemie auskommt. Das Wachs kommt aus der Wachsmanufaktur 176° Farenheit.
Wichtig:
Der Blogbeitrag hat 3 Teile. Es ist wichtig dass hier mindestens noch Teil 2 gelesen wird um ein vollständig korrektes Bild des Wachses zu bekommen. Zu Teil 3 geht es HIER .
Darauf aufmerksam bin ich geworden durch einen Thread in dem ein User fragte ob jemand dieses Wachs kennt. Aufgrund der Formulierung hatte ich es erst für Werbung gehalten, was sich aber nach ein paar Fragen und Antworten als falsche Vermutung herausgestellt hat. Der User DiSchu hat dann aufgrund dessen Kontakt mit dem Hersteller aufgenommen und bekam ein paar kleine Proben zur Verfügung gestellt wovon er mir eine Probe zugeschickt hatte mit der Frage ob ich es ausprobieren wollte. Gesagt getan !
Es gibt verschiedene Variationen der 176° Farenheit Wachse. Zum einen unterscheiden sie sich im Anteil des Carnaubas gemessen am Volumen, und zum anderen gibt es die Wachse mit dem Duft Tropic oder Natur. Die üblichen Carbaubaanteile liegen bei 60%, 65% und 77%. Mir lag eine Probe des 60%igen Tropics vor, welches sehr lecker nach Maracuja riecht. Bei den ersten Sonnenstrahlen habe ich den kleinen Clio aufbereitet und dabei kam dann auch die Probe des 60% Tropic zum Einsatz. Der Lack war mit Menzerna PF2500 poliert und danach mit einer Runde Poorbys Black Hole ordentlich geglättet worden. Das Wachs wurde mit einem normalen gelben Schaumstoff Pad aufgetragen. Die Außentemperatur lag bei ca 9° Celsius.

Die letzten beiden fettgedruckten Angaben sollten wichtig für den weiteren Verlauf werden.
Warum ? Der Wachsauftrag kam mir relativ schwergängig vor. Schwieriger als ich es von anderen Wachsen gewohnt war. Zuerst dachte ich, es sei vielleicht zu wenig Wachs auf dem Pad, weil die Probedose ja sehr klein war und man deswegen nur schwer mit dem Pad in die Dose kam. Als ich hier etwas großzügiger aufgetragen hatte, wurde der Auftrag aber nicht leichter. Zum Vergleich nahm ich das Chemical Guys Black Pearl Pete´s 53 zur Hand und stellte fest, dass der Auftrag hier wesentlich leichter von der Hand ging. Was war da los ? Ich habe nun den Wagen mit dem Farenheit 60% Tropic fertig gewachst und es mit Wizard of Gloss Blue Fox und Quick Slick Tüchern abgenommen. Abgelüftet hat es ca. 10-15 Minuten. Auffällig war, dass es gar nicht angetrocknet ist - vielleicht auch wegen der niedrigen Temperatur ? Das Abnehmen war ok, jedoch nicht wie das gewohnt trockene Staubwischen. Man musste hier schon ein-zwei Mal öfter drüber gehen um alle Wachsüberschüsse vom Lack zu bekommen. Ich nahm mir vor den Hersteller deswegen auf jeden Fall zu kontaktieren.
Erstes Fazit:
- es riecht sehr lecker und natürlich nach Maracuja
- ungewohnt schwerer Auftrag
- Abtrag war in Ordnung, aber auch etwas zickiger als gewöhnlich
- sehr schöner, tiefer, warmer Glanz
- Ich musste den Hersteller kontaktieren und wegen des Auftrags nachfragen.
Hier ein paar Bilder nach dem Auf- und Abtrag:




So - und hier kommt nun ein weiterer wichtiger Teil dieses Beitrages. Ich nahm also wie geplant Kontakt mit dem Hersteller per Mail auf. Daraus entstand ein sehr netter Austausch, in dessen Verlauf ich feststellen konnte, dass Herr Elberfeld ( Inhaber ) auch ein ziemlicher Enthusiast in Sachen Autopflege ist. Ach ja, eine logische Erklärung für den schweren Auftrag gab es auch. Es war einfach zu kalt für das Wachs !
Aufgrund des hohen Carnauba Anteils und der damit verbundenen Härte des Wachses empfiehlt der Hersteller es mit der Hand aufzutragen. Je höher der Carnauba Anteil, desto härter ist das Wachs und desto wärmer sollte die Lacktemperatur sein um das Wachs mühelos auftragen zu können. Wenn man das Wachs mit der Hand aufträgt, führen die 36°C Körperwärme dazu, dass das Wachs entsprechend geschmeidig wird. Hat der Lack dazu noch eine gewisse Temperatur, unterstützt es das geschmeidige Auftragen laut Angabe des Herstellers. Da brauche ich mich jetzt auch nicht zu wundern, dass mein Versuch die Probe des 60% Wachses bei 9° C mit einem Pad zu verarbeiten sich schwierig gestaltete. Den Beipackzettel mit den Tipps und Tricks der auch der ersten Probe von DiSchu beilag, hätte ich dann noch mal lesen sollen.
Hier dann noch nachträglich einige Fakten zu den Wachsen:
- Wachsauftrag soll auch in der Sonne möglich sein
- Lacktemperatur soll mindestens 19°-20° C, aber nicht wärmer als 55° C sein
- Empfohlene Auftragsmethode - per Hand, ohne Pad
- je höher der Carnauba Anteil des Wachses, desto wärmer sollte es beim Auftrag sein
- Ablüftzeit von 1 Stunde möglich bzw. unproblematisch, teilweise sogar nötig
- hinterläßt keine weißen Flecken auf Kunststoffteilen
Zum verwendeten Carnaubawachs an sich sagt der Hersteller folgendes:
Die Carnaubawachs-Mischung des Typs E - 903 beinhaltet 1. Wahl T1 nach Arzneibuch Qualität unter Verwendung von mehr oder weniger reinen Frucht und Pflanzen-Ölen um eine Verarbeitungskonsistenz sicher zu stellen. Der Duft z.B. Tropic setzt sich aus bis zu vier verschiedenen Frucht-, Pflanzen- und Parfumölen zusammen.
Aufgrund der Tatsache dass gar keine Chemie verwendet wird, müsse man sich beim Auftrag an einige Rahmenbedingungen halten, die Mutter Natur vorgibt. Dazu zählt die vorher schon genannte Umgebungs- und Lacktemperatur. Deswegen auch die generelle Empfehlung das Wachs mit der Hand aufzutragen. Der Verzicht auf Chemie führe auch dazu, dass das Carnaubawachs seinem Ruf gerecht wird, das härteste Wachs der Welt zu sein. Deswegen ist es auch kein "Allwetter-Wachs". Der oft genutzte Begriff des "Sommerwachses" bekommt hier eine tatsächliche Bedeutung
Warum klappt es dann bei anderen Wachsen auch bei niederen Temperaturen ?
Die Erklärung von 176° Farenheit ist folgende - und hier wird Wert darauf gelegt, dass man dabei weder spezielle Anbieter meint, noch irgendeinem Anbieter etwas unterstellen möchte, es könnte eben nur eine Erklärung für die temperaturunabhängige Auftragskonsistenz einiger anderer Wachse sein:
Carnauba gibt es in hell gelber T1 ( 1. Wahl ) bis zu dunkel brauner ( fast schwarzer ) T4 Qualität . Es wird im Nord Osten Brasiliens geerntet und u.a. im hoch temperierten Wasserbad dort gereinigt und getrocknet . Auf der Reise in die westlichen Länder werden die unterschiedlichen Wachsqualitäten nochmals bearbeitet , z.B. gebleicht. Die Jod Zahl senkt sich dadurch und das Wachs wird heller und gleichzeitig steigt die Säurezahl an. In der Folge wird das Wachs verarbeitungsfreudiger. Das bedeutet, dass die Wachsaufbereitung schon Einfluß auf die Verarbeitungsqualität nimmt. Zusätzlich gäbe es dann noch mannigfaltige chemische Möglichkeiten um die Verarbeitungskonsistenz zu beeinflussen.
Ich bin weder Chemiker, noch kenne ich mich in der Raketenforschung besonders gut aus ... für mich als Laien klingt das aber plausibel - denn dass Carnauba als härtestes Wachs überhaupt gilt wußte ich schon. Und dass man es dann irgendwie bearbeiten muss um es weich zu bekommen scheint mir auch einleuchtend. Dass das nicht einfach unter Zugabe von Maracujasaft passiert, dürfte auch klar sein
Ich finde es durchaus sympathisch, dass ein Hersteller sagt: "Wenn man Natur pur will, dann gibt es eben bei der Verarbeitung Grenzen und Dinge die zu beachten sind. Am Ende zählt das Ergebnis auf dem Lack".
Wer mehr über den technischen Hintergrund der Wachsproduktion im Allgemeinen lesen will: KLICK
Zu guter Letzt bot mir Herr Elberfeld an eine 45% Mischung anzurühren um zu beweisen, dass es sehr wohl möglich ist, seine Wachse mit hohem Carnauba-Anteil ohne Zugabe jeglicher Chemie bei Temperaturen unter 15° C zu verarbeiten, so lange man sich an die Vorgabe hält es per Hand aufzutragen.
Das Angebot nahm ich natürlich gerne an, weil jetzt auch meine Neugier geweckt war. Ein paar Tage später flatterte mir ein Päckchen ins Haus in dem ich nicht nur das 45% Wachs vorfand, sondern auch noch jeweils eine "richtige" Dose des 60% Tropic, des 65% Tropic und des 77% Natur Wachses. Das ganze mit dem netten Verweis darauf, dass es bei den 125 gr. Dosen wesentlich einfacher wäre "die Finger reinzubekommen" als mit der 10ml Probedose. Abgesehen davon dass er damit natürlich Recht hat, fand ich es auch sehr nett.
Wie es mit den Wachsen weitergeht, könnt ihr dann in TEIL 2 lesen. Ach ja - natürlich hat es gleich am nächsten Tag geregnet. Ich muss sagen das 60% Tropic macht schon einmal ein sehr schönes Beading:







Wer wissen will wie es weitergeht ... hier geht´s zu Teil 2 des Tests . Den dritten Teil kann man HIER nachlesen.
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Gruss
E.