12.04.2008 23:16
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PPL-1
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Kommentare (10)
Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass es doch die Mehrheit spannend findet nicht nur von heile Welt Sonnenschein zu lessen.
Wenn der Job mir keinen Spass machen würde, dann hätte ich ihn schon längst an den Nagel gehängt. Ich bin aber nicht der Typ der stereotypisch jeden Tag das gleiche machen möchte und daher ist der Umgang mit Menschen für mich das spannende. Zusätzlich gibt es natürlich auch eine Menge spannender Geschichten und Menschen die man kennen lernt. Und nicht alle Kunden versuchen einen über den Tisch zu ziehen oder für dumm zu verkaufen. Mein Ziel ist es aber in eine leitende Position zu kommen und dann mehr zu koordinieren und ein fixes Gehalt zu haben als immer im direkten Schußfeld zu stehen.
Ob es sich wirklich lohnt hängt wohl immer von den persönlichen Ansprüchen ab, im letzten Monat habe ich ca. 6,66€ pro Stunde verdient Dafür muss man eigentlich sich in edles Tuch kleiden, teure Zeitschriften abonnieren, im Jahr ca. 5 Paar Schuhe kaufen oder besohlen lassen, alle drei-vier Wochen zum Frisör gehen und sich täglich rasieren. Ich bin bescheiden erzogen worden und kann man mir die Dinge leisten die mir Spass machen, aber reich werde ich nicht, und alle Wünsche kann ich mir damit auch nicht erfüllen.
Alles bis auf die Verkäufer haben ein Fixgehalt, in manchen Abteilungen(Werkstatt+Teilevertrieb) gibt es noch Erfolgsprämien und die Verkaufsleiter können mit dem Erfolg der Verkäufer ihr Gehalt auch noch aufbessern.
Eigentlich müsste ich 2-3mal die Woche in der Woche im Aussendienst die Klinken putzen. Es gibt drei Varianten wie die potentiellen Kunden reagieren (falls man bis zum Entscheidungsträger vordringen kann).
1. BMW ist zu teuer für uns - wir können uns nur einen Fiat/Ford/Renault leisten. 2. Man kann sich anhören was in den letzten 30Jahren alles schief bei und lief und was sie über den Chef denken. 3. Sie freuen sich, dass ein Multimillionär aus einem versnobten und eingebildeten Autohaus vorspricht.
Ich bin natürlich für jede Situation geschult und meistens öffnet die Marke BMW auch die Türen, aber den Erfolg kann man nur sehr spät oder garnicht feststellen. Es ist wirklich ein riesen Zufall, wenn man es zum Entscheidungsträger schafft, er die Marke BMW gut findet, er auch bei uns kaufen würde, er in absehbarer Zeit kaufen möchte und er nicht schon einen anderen Verkäufer von uns kennt. Ich muss dazu sagen, dass wir vier Filialen innerhalb von einem Umkreis von 50km haben. Trotz aller dieses Widrigkeiten ist der Aussendienst laut unseren Verkaufsleitern/Filialleitern der Schüssel zum Erfolg, oder drastischer ausgedrückt der letzte Rettungsanker, da man alles andere schon versucht hat.
Das große Problem ist, dass nur wenn mein Name über dem Vertrag steht und ich drunter unterschreibe auch Geld auf meinem Konto landet. Das bedeutet im Klartext, selbst wenn ich einen Interessenten im AD aquiriere, habe ich nicht unweigerlich etwas davon wenn er bei uns ein Fahrzeug kauft. Dies wollen unsere Oberen im Moment ändern und arbeiten an einer gerechten Lösung. Ich weiss, dass z.B. bei den Niederlassungen zwischen Laden- und Aussendienstverkäufern getrennt wird. Bis dato war klar geregelt, dass wenn ein Kollege ein Fahrzeug in das Gebiet der AD-Kollegen verkauft dieser immer beteiligt wird, bzw. den größten Anteil erhält. Diese Regelung wurde meines Wissens Anfang vom Jahr abgeschafft, daraufhin hat keiner mehr sein Büro verlassen, aus der Angst herraus kein Geld mehr zu verdienen Bei den Niederlassungen sind die Möglichkeiten und der Verdienst eh in anderen Dimensionen als bei einem normalen Händler wie ich arbeite. Dafür soll dort der Druck noch größer sein und die Flugtation ist noch größer als in der Branche eh schon üblich (max.1,5Jahre Betriebszugehörigkeit). Die Chefs besinnen sich aber langsam wieder darauf, den Verkäufern über einen längeren Zeitraum die Chance zu geben erfolgreich zu sein. Bei uns sind die beiden erfolgreichsten auch die ältesten beiden, bzw. die mit der längsten Betriebszugehörigkeit. Dazu gibt es in jeder Filiale einen der in der Gunst des Filialleiters steht und immer von ihm die Kunden zugewiesen bekommt welche eigentlich bei diesem kaufen würden. Aber ich habe gelernt nicht mehr auf die anderen zu schauen und mich auf mich und meine Stärken zu besinnen, aber es wurmt mich manchmal doch noch immer gewaltig. Denn am Ende des Monats frägt niemand, wie die Verträge zustande kamen, es zählt nur noch die Zahl.
Man sollte aber nicht automatisch von der Marke auf den Verdienst schliessen, ein ehemaliger Kollege von mir arbeitet mittlerweile bei Opel, und verdient dort ca. 1,5-2x soviel wie bei uns. Er macht es eben über die Menge und ein Fahrzeug für 10t€ zu vermarkten ist etwas einfach als wenn es bei 20t€+ erst los geht. Er ist zufriedener und verdient mehr Geld (hängt sicherlich auch zusammen
Zum Thema Vorführwagen, ich bin zum Glück aus der Schiene des 116i schon längst raus bzw. habe maximal 4Wochen einen gefahren. Meine letzen Vorführwagen waren 320d-325d-330ci Cabrio und jetzt 320d und 120ci Cabrio. Von daher kann und bin ich zufrieden Dazwischen kann ich natürlich mit den Kollegen tauschen oder mir mal ein Schmankerl wie einen M6 oder ähnliches gönnen. Wobei wir eher die normalen Modelle zugelassen haben, die Exoten sind doch eher selten und werden dann fast ausschliesslich vom Chef gefahren.
Man sollte seinen Gegenüber nie unterschätzen, und man sieht sich immer zweimal im Leben, daher ist es sehr schwer zu entscheiden, mit wem eine Probefahrt sinnvoll ist und mit wem nicht. Ich versuche meist, zuerst die Möglichkeiten abzuklopfen und ein Gespräch über Fahrzeug und Rate zu führen bevor ich eine Probefahrt mache. Die Erfahrung zeigt, dass ich mehr Autos ohne Probefahrt verkaufe als mit, was ich jetzt nicht auf die Freude am fahren zurückführen möchte Im Endefekt entscheide ich wer was wie lange fährt oder nicht. Wir haben kein Geld und keine Zeit zu verschenken, daher versuchen wir die Spassprobefahrten zu weit es geht zu selektieren. Ich erwähne immer ganz beiläufig die Selbstbeteilung von 2500€ dich auch zu entrichten ist wenn man den Schaden nicht selbst verursacht sondern der Schaden einfach bei der Rückgabe festgestellt wird. Das trennt meist die Spreu vom Weizen, aber 100% sicher kann man sich nicht sein. Und da wir jeden Kunden zweimal brauchen sind wir natürlich sehr vorsichtig, und wollen potentielle Kunden nicht verärgern.
Alles muss man aber trotzdem nicht mit sich machen lassen. Ich habe heute gegen 12.40Uhr einen Anruf bekommen (wir haben bis 13Uhr geöffnet), und ein Kollege hatte einen Nutzer eines Großkunden von mir dran. Es wäre gerade geschickt für ihn und ob er nachher noch vorbei kommen kann. Normalerweise hätte ich ja gesagt, aber ich hatte noch einen Termin vor mir und nach fünf Samstagen in Folge freue auch ich mich auf mein kurzes Wochenende. Ich hoffe der Kunde zeigt dafür Verständnis, ich werde es am Montag erfahren.
Die Auslieferung vom Cabrio lief super, der Kunde ist ein netter Typ und hatte beim Anblick des Motors schon das Grinsen im Gesicht betoniert, von daher lief alles rund und ich kann den Schlüssel nachreichen (welcher immer noch nicht aufgetaucht ist) Er war heute nochmals da und hat mir eine Flasche sehr guten Rotwein vorbei gebracht, als Zeichen seiner Verbundenheit.
Zum Glück war es kein Neuwagen und ich erspare mir die PPL (Perfection Plus) Befragung. Diese erfolgt über ein Callcenter direkt von der AG. Den Kunden werden dabei sechs Fragen zum Ablauf vom ersten Kontakt über die Probefahrt bis hin zur Auslieferung gestellt. Nun ist es so, dass nur die Note 1 von Seiten der AG akzeptiert wird, d.h. ich muss am Ende vom eine Schnitt von <1,19 haben ansonsten gibt es Ärger und da es monatlich gewertet wird, kann es auch passieren, dass mein horrendes Fixum noch gekürzt wird. Bis dato war es so, dass die Note1 gleichbedeutend mit dem sehr gut war, mittlerweile wurde dies geändert, jetzt ist sehr gut nur noch die Note zwei und für die 1 muss es perfekt oder bei Mini begeisternd gewesen sein. Ich war in meinem ganzen Leben von keinem Kauf bis dato begeistert, aber was solls Nun bitte ich also meinen Kunden, dass er wenn er mit mir zufrieden war mir die Note 1 oder ein begeisternd zu geben und die Tante vom Callcenter versucht genau das Gegenteil(ich nehme an deren Gehalt ist an den Negativerfolg gekoppelt). Dies ist ein unangenehme Situation, und man liefert sich dem Kunden aus. Zum Glück wurden wir Verkäufer nicht sofort über die Änderung der Benotung unterrichtet und ein paar haben damit den Schnitt fürs ganze Jahr schon im Januar vergeigt. Diese Bewertungen gibt es übrigens auch im Service, von daher seid bitte fair zu den Buben, die arbeiten sehr hart für ihre paar Kröten.
So meine Freundin meinte eben, wenn es zu lang ist liest es keiner mehr und da die Frauen immer Recht haben, schliesse ich den Tag2 nun ab und berichte nächste Woche wieder live aus dem AH |


Kommentare: 10
13.04.2008 15:19 |
bruno violento
Find ich besonders gut, dass du mal über diesen unsäglichen PPL-Blödsinn geschrieben hast. Ich als Kunde würde es als störend empfinden, wenn mir ein Serviceberater oder Verkäufer mit auf den Weg gibt, im Falle eines Anrufs eine 1 zu vergeben, aber inzwischen gibt es schon Serviceleiter, die das als Anweisung rausgeben.
Die Münshner sollten eigentlich wissen, dass wenn ein Kunde eine 2 vergibt, für diesen schon alles nahezu perfekt verlaufen sein muss, für die Münchner dagegen heißt das, der SB / VB hat seine Arbeit nur zu 75% gemacht... Frechheit.
13.04.2008 18:40 |
game-junkiez
Bitte mehr davon !
Macht mächtig Spass, durch das blogsche Verkaufsbüroschlüsselloch zu schauen und mal die andere Seite des Schreibtischs kennen zu lernen !
Toller Blog !
Viele Grüße
g-j
14.04.2008 11:25 |
sushi2601
schoen mal die andere Seite zu lesen...mehr davon..
liebe gruesse
Rainer
14.04.2008 15:57 |
MotorFreak
Ja, macht wirklich Spaß zu lesen und verändert vielleicht auch die Sichtweise beim Autokauf ein wenig
Erfolgreiche Geschäfte weiterhin
15.04.2008 15:37 |
BlueWhite
Wie hört man immer: Der Verkäufer kann auch mal was für sein Geld tun, den einzigen Stress den die haben ist der Weg zur Kaffeemaschine ... Auch mal schön, in der Öffentlichkeit, zu sehen welchem Druck man da ausgesetzt ist. Ich war Jahre lang im Service tätig ... Ist nicht schön wenn man nach einem Haufen Arbeit und zig bedienter Kunden wegen einem frustriertem (bspw. Rechnung, für ihn, zu hoch) einen auf den Deckel bekommt.
28.04.2008 19:16 |
Trackback
Zu lesen auf Neues aus dem Premiumsegment:
Wetterumschwung:
[...] abzuringen, ihm im Falle eines Anrufs die 1 zu geben. Wie mein werter Bloggerkollege PPL-1 unter anderem an dieser Stelle bereits geschildert hat, bleibt ihm aber garnicht viel anderes übrig... Wenn der Kunde nämlich am Telefon [...]
29.04.2008 11:01 |
Daimler201
Ich habe mich gerade durch Deinen Blog gelesen und finde ihn sehr interessant. Er bestätigt mich auch in meiner Entscheidung, nicht mehr in diesem Beruf tätig zu sein. Das ist nicht böse gemeint, man muss halt mit den "Nachteilen" und Gegebenheiten des Berufes zurecht kommen, das war bei mir nicht der Fall. Ich sehe eben, daß Du genau über die Dinge schreibst, die mir damals ständig auf den Sack gegangen sind. Darum bin ich dann nach meinem Zivildienst nicht mehr in meinen Ausbildungsbetrieb (auch ein BMW-Haus) zurückgegangen.
Vor allem hat mich gestört, was auch Du bemängelst: Man berät einen Kunden von vorne bis hinten, der kauft dann wo anders. Am besten war einer, der mir sogar stolz sein neues Auto gezeigt hat mit den Worten "Beim xxx hab ich mehr Nachlass bekommen, aber weil Sie so nett waren komme ich jetzt immer zu euch zum Kundendienst."
Fantastisch.
01.05.2008 02:01 |
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01.05.2008 22:58 |
timm265
Cool geschrieben, interessant zu lesen. Mit den Befragungen hab ich wohl schon den einen oder anderen Händler in die Scheiße geritten. Ich gebe NIE volle Punktzahl, weil man IMMER was verbessern kann. Aber das heißt ja nicht, dass ich unzufrieden war. Woher soll ich als Kunde auch wissen, wie diese Daten intern verwendet werden... Danke für diese Hinweise, werd es mir merken ;-)
19.07.2008 17:02 |
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