09.12.2011 21:28
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over30
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Kommentare (8)
| Stichworte:
Menschen mit Handicap,
Auto
Foto url:http://www.ford.de/Pkw-Modelle/
Dieser Blog widmet sich Menschen mit körperlichem Handicap, die sich trotzdem den Spass am Auto nicht nehmen lassen, und ihren eigenen Weg gehen. Ein sehr sensibles Thema. Gefunden, gelesen, und für Euch in diesem Blog in eigene Worten gefasst. Der ursprüngliche Artikel stammt aus einer aktuellen Classic Car Autozeitschrift, und zwar der "Auto Bild Klassik", Ausgabe Dezember 2011, aber lest selber:
Er fährt einen giftgrünen Porsche 911 mit H-Kennzeichen. Auffällige Ralleystreifen mit dem Schriftzug "Porsche" zieren die Seiten des Fahrzeugs. Die Fahrgastzelle ist mit gelben Streben zu einem Käfig verstärkt, doch beim Anblick der Schaltung offenbart sich dem Betrachter, dass es sich hier nicht nur um ein sportlich umgebautes Serienfahrzeug handelt, denn die Schaltung des Porsche ist behindertengerecht umgebaut.
"Eine Automatikschaltung passt nicht zu dem Charakter des Autos." so lautet die Aussage des Fahrers und Besitzers des Porsche 911. Der Mann ist 43 Jahre alt, und wurde ohne Beine geboren. Über das Wieso und Warum habe er nie viel nachgedacht, und Selbstmitleid geht für ihn gar nicht.
Nicht mobil zu sein, war das grösste Problem in seiner Kindheit und Jugend, als Gleichaltrige Fahrrad und später Moped fuhren.
Zur Führerscheinprüfung brachte er sein eigenes Auto mit, wegen des erforderlichen Umbaus. Sein Traumberuf wäre Automechaniker gewesen, doch auf zahlreiche Bewerbungen kamen immer nur Absagen. So begann der Mann ohne Beine erst selber privat an Autos zu schrauben, bis er nach einigen Jahren Erfahrung den Sprung in die Selbstständigkeit wagte, seinen KFZ-Meister machte, und eine Werkstatt eröffnete.
Heute ist er Elektrik-Experte in der Oldtimerwerkstatt seines Sohnes in Ainring bei Salzburg.
Es gibt nur eine Sache, die er vermisst, weil er es aufgrund seines Handicaps nicht machen kann, und zwar, ein Motorrad zu fahren.
Dafür steigt er dann in seinen Porsche...
***
Dies ist eins von 4 Beispielen aus dem Orginalbericht, wie sich ein Mensch trotz einer körperlichen Einschränkungen nicht in seiner Passion, dem Auto, einschränken lässt, und für mich schon ziemlich beeindruckend. Doch die Beschreibung, was ein anderer Mann trotz seines Handicaps, nämlich blind zu sein, trotzdem "stemmt", ist einfach unfassbar für mich als Sehende. Aber lest wieder selber:
Der Mann aus diesem Bericht hat eine eigene Autowerkstatt in den USA, im Staat Illinois, eine knappe Autostunde von Chicago entfernt.
An sich nichts besonderes, doch dieser Mann ist von Geburt an blind.
In seiner Jugend gab es keinen Platz für Selbstmitleid, und so lernte er früh sich unter Sehenden zu behaupten.
Mit 15 fängt er als Aushilfe in einer Autowerkstatt an, und er hat Talent und das Gefühl für die Technik. Und so wird aus ihm ein Schrauber der ein Auto fühlen, riechen und hören kann, aber niemals sehen.
Trotzdem hat er heute eine eigene Werkstatt und eine feste Stammkundschaft, die immer wieder mit ihren Autos zu ihm kommt.
Alte Technik macht ihm keine Probleme bei der Reparatur, nur mit neueren Fahrzeugen, etwa ab Baujahr 1990 ist es schwierig,- zu viel komplizierte Elektronik.
Aber dieses Problem ist ja für alle "alten" Schrauber das gleiche, ob sehend oder blind.
Der einzige Unfall, der ihm bislang in seiner Werkstatt passiert ist, ist der Verlust eines Stück seines kleinen Fingers, als er in einen laufenden Keilriemen griff...
Es gibt Geräte, die den blinden Mechaniker per Sprache bei der "Diagnose" am Auto unterstützen. Geräte die ihm "sagen", ob ein Licht an oder aus ist, oder wieviel Leistung die von ihm gemessene Autobatterie hat.
Auf Hilfe vom Staat ist er nicht angewiesen und möchte sie auch nicht. Aber er weiss auch, dass es schon in wenigen Jahren kaum noch Werkstätten wie seine geben wird. Weil an neuen Autos, mit deren immenser Elektronik, Mechaniker wie er, die Fehler hören, statt sie nur per Computer auszulesen, nicht mehr arbeiten können.
***
Diese zwei, und auch die anderen beiden Berichte über Menschen mit Handicap und ihrer Liebe zum Auto, haben mich besonders berührt. Zumal sie sich aus dem üblichen Einheitsbrei über Restaurationen, technischen Daten, Vorstellungen von Fahrzeugen und Fahrberichten so deutlich herausheben.
Hier ist der menschliche Faktor im Umgang mit der "Maschine Auto" deutlich wichtiger als das Auto selber. Gerade das macht diesen Artikel so überaus interessant und lesenswert. Und vielleicht hilft er Menschen ohne Handicap sich mal vor Augen zu führen, wie wenig wir doch meistens darüber nachdenken, dass wir so sind, wie wir sind.
Zu diesem Thema fällt mir abschliessend noch ein Zitat ein, das ich Euch hier nicht vorenthalten möchte, weil es meiner Meinung nach so gut hierzu passt:
**Es gibt auf der ganzen Welt einen einzigen Weg, den niemand gehen kann außer Dir. Frag nicht, wohin er führt. Geh ihn! ** Friedrich Nietzsche
Also, gehen wir alle unseren Weg...
Und wie denkt Ihr darüber?
Sabine |

Kommentare: 8
10.12.2011 02:44 |
bstid20
Wow! echt toll sowas zu lesen....
bin schon fast sprachlos
da sieht man das es nichts geben kann, was jemand von sein zielen aufhält...
10.12.2011 03:08 |
motorina
... unbeirrbar weiter, solange wir von uns und unserem Ziel überzeugt sind!
Grüsse, motorina.
NB: Sind dir die Buchstaben ausgegangen, @over30;
ich meine nur, wegen der Pünktchen...?

10.12.2011 04:10 |
PureVernunft
Interessant! Besonders der blinde Mechaniker ist beeindruckend!
Aber so einen Artikel mit einem Zitat von Nietzsche zu beenden, ist schon etwas zynisch
10.12.2011 09:40 |
over30
@ PureVernunft
Nietzsche mag in den meisten seiner Zitate oder Dichtungen zynisch sein, doch ich sehe in dem von mir angewandten Zitat keine Spur von Zynismus.
Sonst hätte ich es nicht an dieser Stelle geschrieben.
Die Aussage des Zitates ist vielmehr auch einer meiner "Leitsätze", und auch so wahr, denke ich.
LG
Sabine
@ motorina
Du weisst, ich schreibe gern mit .....
Und Du weisst auch, dass dies keine fehlenden Worte sind, sondern ein Raum, in dem sich jeder Leser ( wie Du es auch getan hast ) seine eigenen Gedanken machen kann.
Und jetzt: .......
LG
Sabine
@bstid 20
Ich denke, die in meinem Artikel beschriebenen Menschen machen uns vor, was man alles erreichen kann, wenn man sich nur unbeirrbar dafür einsetzt.
Du hast daher vollkommen Recht.
LG
Sabine
10.12.2011 10:02 |
VolkerIZ
Da habe ich auch noch einen. Vor ein paar Jahren war bei uns auf dem Stammtisch einer, der einen Tempo Wiking Bj. 54 restauriert hat. Den hatte er in irgendeiner Scheune gefunden, wo er seit den 80ern gestanden hat, nachdem der einzige Vorbesitzer entweder verstorben war oder aus anderen Gründen das Autofahren aufgeben mußte.
Der Tempo war sowieso schon beeindruckend, ich habe selten eine so schöne Restaurierung gesehen: Originallack, reichlich Gebrauchsspuren (30 Jahre Alltagseinsatz gehen an einem Nutzfahrzeug nicht spurlos vorbei), mit historischen Ausbesserungen wie z.B. alten Autogenschweißnähten, usw. Geschichte zum Anfassen sozusagen. Aber technisch komplett überholt und voll einsatzbereit.
Die Krönung war allerdings der behindertengerechte Umbau. Der Erstbesitzer hatte nur einen Arm und keine Hände (Kriegsverletzung) und hat trotzdem nach dem Krieg als selbständiger Handwerker gearbeitet. An den einen Arm hatte man ihm einen Haken drangebaut, damit er überhaupt was greifen konnte. Damit konnte er sogar löten usw.
Jedenfalls hat er sich dann 1954 diesen Tempo als Firmenwagen angeschafft und selber umgebaut (!) Dafür waren einige selber gebastelte Gestänge nötig, u.a. um mit dem Fuß schalten zu können. Damit seine Mitarbeiter auch damit fahren konnten, war das aber alles in kürzester Zeit rückbaubar. Für die jüngeren unter uns: Das ist ein Kleinlieferwagen mit 2Zylinder-2Takter, gewaltige 17 PS und absolut frei von jeglichem Luxus, also nicht unbedingt das Fahrzeug, was sich für derartige Umbauten anbietet. Der hat natürlich keine Automatik, nicht mal ein synchronisiertes Getriebe und auch sonst ist das alles nicht sehr ergonimisch, also diverse Schalter übers Armaturenbrett verteilt, usw. Und der Innenraum ist sehr eng. Wer da zusätzliche Teile reinbaut, muß schon genau überlegen, was er tut, damit er überhaupt noch Platz für seine Füße hat.
Das ganze sieht etwas sehr rustikal aus, hat aber jahrzehntelang funktioniert und wäre theoretisch heute noch funktionsfähig. In den 50ern wurde natürlich noch manches an Eigenbauten eingetragen, was später nicht mehr ging. Vielleicht hat es auch damit zu tun, daß der gute Mann nie wieder ein anderes Auto besessen hat und den Tempo gefahren hat, bis er nicht mehr konnte. (Der Mann, nicht das Auto!)
10.12.2011 10:06 |
Abantgarde3
Ich finde es gut, dass es Möglichkeuten gibt, für Menschen mit Handycap, auch einen Porsche 911 umrüsten zu lassen. Diese Menschen haben durch ihr Handycap schon genug Nachteile. Ich finds sehr symphatisch, wennn ich den Mann im Porsche sehen würde und erkennen würde, wie glücklich er mit seinem Umbau ist.
Auch der Mechaniker ist beeindruckend, wie sehr wünsche ich ihm das Augenlicht! Aber seine Ausdauer und seine Faszination verdient echt Anerkennung!
10.12.2011 10:18 |
over30
@ VolkerIZ
Dass was Du in Deinem Post beschrieben hast, ist wirklich beeindruckend. Ein Auto ohne synchronisiertes Getriebe zu schalten ist schon für einen Menschen ohne Handicap eine kleine Herausforderung. Aber was blieb dem Besitzer des Tempo`s auch anderes übrig, als das Beste aus seinem Schicksal, der Kriegsversehrtheit zu machen?
Ich bin mir nicht sicher, aber staatliche Hilfe gab es zu dieser Zeit wohl wenig, bzw. wenn, dann nur so, dass es gerade so zum überleben, aber nicht zum leben gereicht hätte.
Ich wohne im Großraum von Duderstadt. Dort ist der Firmensitz der Otto Bock Gruppe, und es werden dort hochwertige Prothesen für alle erdenklichen körperlichen Handicaps hergestellt.
Manchmal ist darüber ein Bericht in der lokalen Tageszeitung. Es ist schon erstaunlich, was heute alles so möglich ist mit einer individuellen Prothese.
Sabine
@ Abantgarde3
Deinem Post gibt es nichts weiter hinzuzufügen. Absolut auch meine Meinung!
Sabine
10.12.2011 13:33 |
notting
Ich kann das eine Fazit aus dem Artikel nicht nachvollziehen. Gerade wenn sowieso ein Computer bei der Fehlerdiagnose beteiligt ist, kann er doch gleich auch Sprachausgabe machen, wenn er keine Braille-Zeile will, weil i.d.R. teuer. Gescheite OSs haben das standardmäßig dabei. Und eine kleine elektronische Schaltung, die in Abhängigkeit vom einfallenden Licht piept, taugt ja in der einfachsten Variante nicht einmal als Studienarbeit, weil zu einfach.
notting