Es ist schwülwarm. Gewitter liegt in der Luft. Den ganzen Tag war es drückend heiß. Gegen Abend kommt das was alle erwarten. Es blitzt und donnert. Leider lässt der Regen auf sich warten. Viel lärm um nichts? Nein. Ohne Folgen blieb es leider nicht.
Es ist mittlerweile 21:23 Uhr. Der Funkmelder piepst los. Löschhilfe im Nachbarort. Feuer in landwirtschaftlichen Gebäude.
Ich sprinte zur Garage. Im Treppenhaus begegne ich meinem Nachbarn. "Kannst Du meine Garage zumachen? Ich hab einen Einsatz!"
"Klaar!"
Gut, dann kann ich gleich durchziehen. Der Wind weht immer noch ziemlich heftig. Mist, das dürfte das Feuer erst richtig anfachen.
An der Wache angekommen, schnell in die Einsatzhose, Helm auf, Jacke in die Hand, die kann ich im Auto immer noch anziehen, die Anfahrt ist lang genug. Schnell füllt sich die Mannschaftskabine. Los geht's! Horn an und raus! Um die Zeit ist nicht mehr ganz so viel unterwegs, es ist auch schon ein wenig dunkel. Auf die Ausfallstrasse in Richtung Nachbarort. Ab Ende der Ortschaft können wir auf Sicht fahren, der Himmel glüht orangerot, die Rauchsäule ist im Nachthimmel dagegen fast nicht mehr zu sehen.
Auf der Stichstrasse blitzt Blaulicht, erste Schläuche liegen auf dem Rasen neben der Strasse. Ein Schatten auf der Strasse! Ein Jungrind wechselt panisch die Seite. Da! Noch mehr Rinder auf der Strasse! Wir müssen vorsichtig sein, um kein Tier zu verletzen. Die nachfolgenden Kräfte werden sich darum kümmern müssen. Zum Glück haben "Dorffeuerwehren" ja auch Landwirte mit Ahnung in Sachen "Tierfang".
Wir erreichen die Hofeinfahrt. Ein altes Bauernhaus, Klinkerbau, nach rechts ein flacher Verbindungsbau und angrenzend eine Scheune. Der Dachstuhl brennt, das Feuer ist bereits in Großen Bereichen durch die Dachhaut durch. Der Zwischenbau fängt gerade an zu brennen, somit ist das Wohnhaus akut gefährdet. Jetzt muss es schnell gehen! Die zuständige Ortswehr ist von der anderen Seite angefahren, momentan sind sie noch mit dem Aufbau einer Wasserversorgung beschäftigt. Die Rinder stammen aus dem Stall unter dem brennenden Scheunendach.
Unser Gruppenführer erkundet einmal schnell und kommt zu uns zurück: "Wir müssen ein Übergreifen verhindern!"
Er will ein B-Rohr vornehmen. Ich schlage den Einsatz des Dachwerfers vor. Wir diskutieren kurz. Wenn wir den Werrfer nehmen, ist der Tank ruckzuck leer, aber die Wirkung dürfte effektiver sein. Mit dem B-Rohr kommen wir länger aus, aber ob die Löschwirkung reicht?
Kurzum, es fällt die Entscheidung Dachwerfer. Schnell ist das Fahrzeug in Stellung gebracht, ich steige auf das Fahrzeugdach und klappe den manuellen Monitor auf. Dieser ist eine Sonderausstattung auf dem TLF 16/25. Er hat eine Leistung von 2500 l/min. Damit ist der vergrößerte Fahrzeugwassertank (2.800 statt 2.500 Liter) in etwa einer Minute leer.
"Wasser marsch!"
Der Strahl schießt aufs Dach des Zwischenbaus. Ein leichter Rechtsschwenk, und die Teerpappe ist aus. Weiter. Über den Scheunengiebel ins Scheunendach, aber nicht zu weit, die Scheune ist zu groß. Nur den Rand niederkämpfen. Nochmal nach links, das Zwischendach nass machen und runterkühlen. Immer noch Wasser über. Also nochmal in die Scheune. Alles an den Rand, was übrig ist. Das muss das Feuer erst mal verdauen. Schluß! Der Fahrzeugtank ist leer. Aber wir haben wertvolle Zeit gewonnen. Zeit, die die anderen Kräfte brauchen, um einen umfassenden Löschangriff aufzubauen. Zeit für die nachrückenden Kräfte. Zeit, um das Wohnhaus zu retten. 2500 Lieter Wasser müssen erst mal im gelagerten Stroh auf dem Dachstuhl verdampfen. Noch brennt der Dachstuhl, aber am Rand zum Zwischenbau ist es momentan dunkel...
Aber damit ist es für uns nicht getan. Die Wasserversorgung zum Fahrzeug steht inzwischen. Die anderen waren fix. Verteiler setzen, Pressluftatmer anlegen und vor.
Der nächste Auftrag wartet schon. Schweine kühlen! Hä??? Ja, im inneren der Scheune ist ein Bereich mit Betonwänden und Betondecke. Hier sind die Schweineboxen mit 4 Säuen und jeder Menge Ferkelchen. Laut Aussage des Landwirtes können die Viecher nicht so einfach umgesiedelt werden. Also ab und an mit Sprühstrahl ein wenig kühlen. Der Bereich ist aufgrund der Thermik komplett rauchfrei. Über uns brennt der Dachstuhl in voller Ausdehnung. Wir stehen mit PA in Bereitstellung (also nicht angeschlossen) unten im Schweinestall. Durch den Durchgang ins Scheuneninnere sehen wir es rot glühen und hören es prasseln. Oben im Durchgang ist eine Holzluke (oder besser: war) Jetzt ist es ein glühender Höllenschlund. Dieser Bereich ist für uns Tabu. Zu gefährlich. Wir halten uns am Rand des Stalls auf. Nach einiger Zeit kommt ein benachbarter Landwirt mit einem Transporter. Mehrere Leute packen jetzt an. Feuerwehrmänner und zivile Landwirte aus der Nachbarschaft. Der Stall wird evakuiert. Somit kommen wir auch raus. Immer noch sind die Flaschen voll. Also neuen Einsatzauftrag holen. Draußen hat sich inzwischen viel getan. Mehrere Flutlichtmasten leuchten den Hof aus. Das offene Feuer ist nicht mehr im kompletten Dachstuhl, allerdings flammt das gepresste Stroh immer wieder auf. Die Giebelwand steht schief nach aussen. Wenn die nicht alleine einstürzt, werden wir sie einreißen müssen. Darum wird sich wohl das THW kümmern. Die Vorhut von den Jungs ist bereits da, der Tieflader mit dem großen Radlader ist auf der Anfahrt.
Wir bekommen einen Abschnitt an der Außenseite zugewiesen und übernehmen ein C-Rohr im Aussenangriff. Die Zeit vergeht wie im Flug. Zwischendurch ablösen lassen, Tee, Cola, Brötchen, dann wieder weitermachen.
Inzwischen zieht das THW mit dem Bagger das Stroh seitlich vom Dach. Die Giebelwand ist weg. Kurz vor Eintreffen des Baggers kippte sie lautlos nach aussen. Ohne Verletzte, der Bereich war schon lange im Vorfeld als Gefahrenbereich gesperrt worden.
Der Zwischenbau und das Wohnhaus haben es überlebt, der Werfereinsatz war ein voller Erfolg. Inzwischen ist es hell geworden. Wir werden abgelöst. Neue Kräfte übernehmen die Nachlöscharbeiten. Der Schweinestall steht immer noch unversehrt in der Trümmerwüste. Wir fahren zurück in die Wache. Vögel zwitschern. Sie Sonne geht auf. Müde und dreckig gehe ich zum Auto. Morgen ist Sonntag. Morgen? Nein, heute!
Ich halte beim Bäcker, greife ein paar Euro aus dem Aschenbecher und nehme ein paar frische Brötchen mit. Selten habe ich mich so auf eine Dusche gefreut!